Wien - In den nächsten Tagen geht die "Privatisierung" der Flüchtlingsbetreuungsstellen des Bundes (die Lager Traiskirchen, Reichenau, Bad Kreuzern und Thalham) in die nächste Runde. Da werden den in den letzten Wochen ermittelten Bewerbern die Ausschreibungsunterlagen zugestellt.Die Aufgaben, die das Innenministerium künftig nicht mehr vom eigenen Haus wahrnehmen lassen will, umfassen "vor allem die Verpflegung, Unterkunft, soziale Betreuung der Asylwerber sowie die Durchführung von Grenz-und Personentransporten und die Pflege des Areals bei den Betreuungsstellen". Der Auftragswert wird mit rund sieben Millionen Euro angegeben, gesucht sind "Unternehmen mit Erfahrung im Besuch der Asylwerberbetreuung oder Unternehmen mit sozialer Zielsetzung". Somit dürften die im Vorfeld mancherorts geäußerten Befürchtungen, es könnten unter Umständen leicht aufgewertete Wach- und Schließgesellschaften zum Zug kommen, zerstreut sein. Welche Organisationen sich bei der "öffentlichen Erkundung des Bewerberkreises" gemeldet haben, wollte der zuständige Beamte im Innenministerium nicht verraten. Dem Vernehmen nach interessieren sich SOS Menschenrechte, Rotes Kreuz, Volkshilfe, Diakonie und Caritas für den Auftrag. Für die Caritas bestätigt Bereichsleiter Werner Bachstein das Interesse, schränkt aber gleichzeitig ein: "Voraussetzung ist eine klare Rollenverteilung: Was ist Hoheitsakt der Republik, was muss dort bleiben, was bringen wir ein?" Nach Vorstellungen der Caritas soll das gesamte offizielle Asylverfahren Angelegenheit des Innenministeriums bleiben. Bachstein: "Wir bieten professionelle Betreuung rund um die Uhr an, wobei wir einerseits positiv für die Klienten und Klientinnen sorgen und das andererseits auch für die Wohnbevölkerung sichtbar machen wollen." Sollten die Rahmenbedingungen stimmen, kann sich Bachstein auch eine Kooperation mit anderen NGOs vorstellen. (kob/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2002)