Alpbach - Zur finanziellen Schadensbewältigung bei Hochwasserkatastrophen schlägt der Geograf und Risikoforscher, Univ.-Prof. Johann Stötter, von der Universität Innsbruck eine verpflichtende "Solidaritätsversicherung" vor. Solidaritätsversicherung statt Hilfe vom Staat In der Schweiz gebe es in den meisten Kantonen eine derartige Solidaritätsversicherung, die alle Immobilienbesitzer abschließen müssten, sagte Stötter am Sonntag beim Europäischen Forum Alpbach. Diese Gelder würden im Fall von Hochwasserschäden zum Einsatz kommen. Künftig stelle sich die Frage, ob es wirklich Aufgabe des Staates sei, Entschädigung bei derartigen Katastrophen zu leisten, sagte der Experte. "Man muss sich für die Zukunft in diesem Land an den Runden Tisch setzen." Erhöhtes Gefahrenpotenzial durch für den Alpenraum prognostiziert Stötter prognostizierte - ausgehend von einer aktuellen Schweizer Studie - ein erhöhtes Gefahrenpotenzial durch Naturgewalten in den nächsten Jahren für den Alpenraum. "Es steht außer Frage, dass die Schäden zunehmen." Während das Risiko durch Lawinen, Steinschlag und Bergsturz gleich bleiben dürfte, gebe es "deutliche Tendenzen" einer Zunahme von Hochwasser, Murenabgängen und Rutschungen, sowohl in der Häufigkeit als auch in der Intensität. Öffentliche Hand hat wenig finanziellen Spielraum Ursache dafür seien aber nur teilweise Veränderungen im Naturraum, "wesentlich stärker sind die Veränderungen im Kulturraum", sagte der Forscher. Die Ausdehnung des Siedlungsraums und die Zunahme des Verkehrs in mögliche Risikozonen zögen ein erhöhtes Schadenspotenzial nach sich. Gleichzeitig werde dieses erhöhte Risiko von Bevölkerung und Touristen immer weniger akzeptiert, auch die öffentliche Hand habe beim Katastrophenschutz einen eingeschränkten finanziellen Spielraum. Zur Erforschung dieser Bedrohungsbilder wird nach Angaben Stötters in Innsbruck am 1. Oktober das "alpS - Zentrum für Naturgefahren-Management" seinen Betrieb aufnehmen. Geplant ist der Aufbau eines Forschungsnetzwerks mit österreichischen und ausländischen Universitäten, Behörden und entsprechenden Fachinstituten. Das Zentrum soll Naturgefahren interdisziplinär erforschen und den Umgang mit ihnen effizienter zu gestalten. Es werde in der Anfangsphase großteils öffentlich finanziert, soll aber langfristig wirtschaftlich unabhängig arbeiten, sagte der Wissenschafter. (APA)