Hamburg - Die verschmutzen Fluten des Elbhochwassers werden Umweltprobleme von noch unbekannten Ausmaßen verursachen. Das sagte der Leiter der Wassergütestelle der Arbeitsgemeinschaft zur Reinhaltung der Elbe (Arge Elbe), Heinrich Reinke, am Montag in Hamburg. Was im einzelnen auf Umwelt, Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung zukommt, sei zur Zeit noch nicht absehbar. Die Ergebnisse der im tschechischen Bereich der Elbe und in der Mulde von Arge-Elbe-Mitarbeitern gezogenen Wasserproben würden erst vom kommenden Donnerstag an vorliegen. "Das ganze Ausmaß kennen wir erst, wenn die gelblich braune Brühe von den Feldern und Wiesen abgelaufen ist und wir den zurückgelassenen Schlamm untersuchen", sagte Reinke. Bereits jetzt sei aber der Sauerstoffgehalt der Elbe bei Schnackenburg (Niedersachsen) auf vier Milligramm pro Liter gesunken. Gewöhnlich sei der Wert mehr als doppelt so hoch, sagte Reinke. Landwirtschaft betroffen Nach Einschätzung der Umweltorganisation Greenpeace wird auch die Landwirtschaft besonders betroffen. "Öl und andere Schadstoffe versickern auf den Äckern und bleiben im Boden", sagte Greenpeace- Mitarbeiter Andreas Bernstorff. Das Hochwasser habe private Öltanks aufgerissen, Tankstellen überspült, Müllkippen und Güllegruben überschwemmt, Tierkadaver abtreiben lassen, offen gelagerte Schadstoffe aus Kfz-Betrieben, metallurgischen und chemischen Unternehmen mit sich gerissen. Durch die Wassergewalt seien auch die abdeckenden Oberschichten von Altlasten abgetragen worden. "Das Wasser fließt dann durch Sondermüllkippen", sagte Bernstorff. Aus der Landwirtschaft geraten Pesitzide und Mineraldünger wie Stickstoff und Phosphat ins Wasser. Mit welchen Mengen dabei gerechnet werden muss, sei noch nicht absehbar. Auch ökologische Landwirte bekämen nun "Sachen, die sie nicht auf ihren Feldern haben wollen". Bernstorff befürchtet: "Die Grenzen zwischen der ökologischen und der konventionellen Landwirtschaft werden kurzfristig aufgehoben". Neben Äckern und zahlreichen Gewässern bis hin zum hoch empfindlichen Wattenmeer in der Deutschen Bucht seien auch viele Trinkwasserbrunnen durch die schmutzigen Fluten bedroht. "Auf die Trinkwasser- und Lebensmittelüberwachung werden in den kommenden Tagen und Wochen unendliche Mess- und Kontrollaufgaben zukommen", meinte Bernstorff. (APA/dpa)