Einmal im Jahr versuchen die deutschen Fernsehsender auf einem Fleck alle Werber und Mediaplaner zu versammeln, die ja ihre Existenz sichern. "Senderstrich" nennt das Stefan Raab bei der ProSieben-Präsentation, "Telemesse" lautet der offizielle Titel. Diesmal, weil etwas billiger, in Köln statt Düsseldorf. Mit etwas bescheideneren Shows, etwas weniger Geschenken für die Financiers und etwas weniger neuen Programmen. Was Peter Christmann von ProSiebenSat.1 Media "packende Herausforderungen des ersten Halbjahres" nennt, sind schwindende Sehermarktanteile für ProSieben, mit der Kirch-Gruppe ein insolventer Eigentümer und für alle Sender eine veritable Werbekrise. Mehr als sieben Prozent weniger TV-Werbevolumen im ersten Halbjahr lassen alle etwas leiser treten. Nicht aber jene, die Werbezeiten verkaufen sollen. Diesmal präsent wie Heizdeckenverkäufer bei der Kaffeefahrt. Die vorabendliche "Achillesferse" Christmann zum Beispiel und auch Walter Neuhauser, Chef der RTL-Vermarkterin IP. Beide preisen Komplettangebote von Fernsehen bis Merchandising, mancher bis zu Events und Dialogmarketing. Bei Sat.1 und ProSieben streut man dezente Hinweise ein auf freundliche Kooperation etwa von Kraft Foods oder Ferrero bei der Programmgestaltung. Auch das Genre Soap soll ja seinen Namen von freundlichen Waschmittelkonzernen beziehen. Sat.1 hofft wie berichtet, seine vorabendliche "Achillesferse" (Geschäftsführer Martin Hoffmann) mit einer neuen Comedy zu bedecken. ProSieben setzt den zahllosen Gerichtsshows am Nachmittag eine Gynäkologin entgegen. RTL freut sich auf den quotenträchtigen Castingmarathon "Pop Idol". Und Kabel 1 verschweigt, dass noch vor dem "Glücksrad" diese Woche "Dingsda" eingesargt wird. (Harald Filder/DER STANDARD, Printausgabe vom 20. 8. 2002)