Bei aller Aufopferungsbereitschaft von Militär, Exekutive und Hilfsorganisationen bei der jüngsten Hochwasserkatastrophe zeigte sich eines: Die rasche Verständigung zwischen den Hilfsmannschaften erweist sich bei derartigen Großeinsätzen als holprig. Diese Erfahrung machten die Einsatzkräfte auch nach dem Lawinenabgang in Galtür, dem Tauerntunnelbrand und der Kaprun-Katastrophe. Die herkömmlichen Telefonnetze, ob GSM oder Festnetz, sind der plötzlichen Überbeanspruchung nicht gewachsen, die Hilfsmannschaften können sich darauf nicht verlassen. Ab Ende März wird es in Österreich daher ein ausfallsicheres Hochleistungsfunknetz (Adonis - Austrian Digital Operating Network for Integrated Services) geben, das von behördlichen und freiwilligen "Blaulichtorganisationen" benutzt werden kann. Alles wird einfacher "Wenn sich heute ein Feuerwehrmann mit einem nur 200 Meter neben ihm arbeitenden Rettungsmann verständigen will, muss der Kontakt über die Leitstelle Feuerwehr aufgebaut werden, welche die Leitstelle Rettung anruft und diese vermittelt dann das Gespräch an den Rettungsmann", illustrierte Brigadier Manfred Blaha vom Innenministerium die Problematik. Der gleiche komplizierte Verbindungsaufbau sei zwischen Bodenpersonal und Hubschrauber erforderlich. Bei den Rettungsarbeiten in Kaprun sei das Mobiltelefonnetz als erstes ausgefallen, da es durch Anrufe besorgter Angehöriger überlastet gewesen sei. Im Ernstfall betreffe das alle vier österreichischen Handynetze. Ähnliche Kommunikationsprobleme hat es in Manhattan nach den Twin-Tower-Anschlägen am 11. September gegeben. Damals hatten laut "New York Times" veraltete Geräte und schlechte Kommunikation 121 Feuerwehrmänner das Leben gekostet. Ab Mitte 2005 österreichweit funktionsfähig "Adonis", das als Errichtungs- und Betreiberauftrag vom Innenministerium am 5. Juli an das Konsortium Mastertalk (Siemens/Wiener Stadtwerke) vergeben wurde, soll ab Ende März 2003 seinen Betrieb aufnehmen und bis Mitte 2005 österreichweit funktionsfähig sein. Zuerst beginnt der flächendeckende Aufbau in den Bundesländern Niederösterreich und Tirol, noch im Jahr 2003 rechnet Blaha auch mit der Betriebsfähigkeit im Wiener Raum. Ausfallsicher Von den Sicherheitsbehörden werden als erste das Innenministerium (Polizei, Gendarmerie) sowie das Bundesheer (insbesondere Katatastrophen- und Assistenzeinsatz) in das Adonis-Netz einsteigen. Sukzessive wird erwartet, dass dann die anderen Blaulichtorganisationen die moderne Kommunikationstechnologie übernehmen werden. Adonis ist laut dem technischen Projektleiter Blaha ausfallsicher konzipiert. Beim Ausfall des öffentlichen Stromnetzes schalten die Kommunikationsrechner auf Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) um. 1.200 Sendestationen Der Netzaufbau von Adonis mit über 1.200 Sendestationen wird auf 200 bis 300 Mill. Euro geschätzt und soll anfänglich rund 24.500 Nutzer haben. Langfristig rechnen die Betreiber mit rund 80.000 Anwendern, darüber hinaus will Mastertalk bis zu 40.000 Private auf das Netz bringen. Budgetmittel sind für das Adonis-Netz keine erforderlich. Wie bei Handynetzen kauft der Betreiber das Netz und errichtet und betreibt es auf eigene Kosten. Die teilnehmenden Organisationen können die Endgeräte bei Mastertalk kaufen oder leasen. Pro Endgerät beträgt die Jahresgebühr rund 1.000 Euro, die Tarife sind laut Blaha jedoch nach Nutzungsintensität gestaffelt. Freiwillige Feuerwehren, wo eher sporadische Einsätze anfallen, zahlen demnach weniger als die Rund-um-die-Uhr-Dienste der Exekutive.(apa)