Wien - Was von außen zumindest schemenhaft zu erkennen ist, wird innerhalb der FPÖ längst offen diskutiert: "Wir steuern auf eine brutale Polarisierung in der Partei zu", ist ein vom STANDARD befragter FPÖ-Politiker - der nicht genannt werden will - von einem theatralischen Ende im Machtkampf zwischen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer und Altobmann Jörg Haider überzeugt.

Es sei davon auszugehen, dass Haider nun "alles" verlangen, und auch bekommen werde. Dies würde sogar bedeuten, dass Susanne Riess-Passer, die im direkten Duell mit Haider auf einem Parteitag "keine Chance hätte", aller Voraussicht demissionieren werde, um dem Altobmann Platz zu machen. Sowohl an der Spitze der Partei als auch in der Regierung. Haider sei durchaus auch als Vizekanzler denkbar, zumal die ÖVP dies nicht mehr verhindern könne, ohne ihre eigene Regierungsposition zu gefährden. Es sei auch deshalb nicht ausgeschlossen, weil Haider mittlerweile mit Bundespräsident Thomas Klestil auf einer recht guten Gesprächsbasis kommuniziere und sich überdies europaweit die Rahmenbedingungen verändert hätten, kolportiert der FPÖ-Politiker intern diskutierte Szenarien.

Es bleibe der FPÖ kein anderer Weg als dieser "Paukenschlag". Denn die Partei habe sich in eine "Sackgasse manövriert". Der FP-Insider: "Viele an der Basis wollen mit dem Regierungskurs nicht mehr mit. Sie wollen zurück zur alten blauen Bewegung. Sie würden jederzeit Jörg Haider wieder folgen." (mue/DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2002)