Kairo - Die irakische Opposition besteht aus zahlreichen Gruppierungen, die zum Teil verfeindet sind. Da alle Regimekritiker, von den Kommunisten bis zu den islamischen Fundamentalisten, zu Recht die Geheimdienste von Präsident Saddam Hussein fürchten, operieren sie politisch nur im Untergrund oder aus dem Exil. Die einzige Ausnahme bilden derzeit die beiden großen kurdischen Oppositionsgruppen, die Patriotische Union Kurdistans (PUK) von Jalal Talabani und die Demokratische Partei Kurdistans von Massud Barzani, die sich die Macht im halbautonomen Nordirak teilen. Sie und die schiitische Opposition sind außerdem die einzigen Gruppen, die auch im Land über eigene Kämpfer und Waffen verfügen. Im Nordirak operiert neben den Gruppen von Barzani und Talabani außerdem noch eine kleine radikale Islamisten-Gruppe namens Ansar el Islam, der die USA vorwerfen, sie arbeite mit der Terrororganisation El Kaida von Osama Bin Laden zusammen. Die wichtigste schiitische Oppositionsgruppe ist der Oberste Rat der islamischen Revolution im Irak (SCRI), der von der iranischen Regierung unterstützt wird und seine Basis in den Südprovinzen des Irak hat. Die Regierung hat in den vergangenen Jahre mehrere hohe Geistliche, die dem SCRI zugerechnet wurden, umbringen lassen. Die demokratischen und liberalen Kritiker des irakischen Regimes sind nicht besonders gut organisiert, ebenso wie die kleine Gruppe der geflohenen Offiziere und Politiker, die sich seit dem Golfkrieg von 1991 ins Ausland abgesetzt haben. Die US-Regierung unterstützt seit einigen Jahren den Irakischen Nationalkongress (INC) finanziell. Die Gruppe hat jedoch nach Ansicht von Experten wenig Kontakt zu Oppositionellen im Irak selbst. Die "Demokratische Irakische Opposition in Deutschland", die am Dienstag die Verantwortung für die Besetzung und Geiselnahme in der irakischen Botschaft in Berlin übernommen hat, ist bisher nicht in Erscheinung getreten. Nach Einschätzung von irakischen Oppositionskreisen in Berlin handelt es sich bei den Besetzern um eine Splittergruppe, die nicht zu den Verhandlungen der Amerikaner mit der irakischen Opposition eingeladen worden war. Die Gruppe wolle sich mit der Aktion offenbar ins Gespräch bringen, sagten Vertreter irakischer Gruppen. (APA/dpa/AP)