Wirtschaftsminister Bartenstein will bei dem Schmähführen nicht länger mitmachen und gibt gegenüber dem STANDARD das Offensichtliche zu: Die Steuerreform wäre auch ohne das Hochwasser nicht zu machen gewesen, spätestens Ende September wäre die Behauptung, sie gehe sich doch irgendwie aus, aufgrund der schlechten Konjunkturdaten zusammengebrochen. Tatsächlich hatte ja Kanzler Schüssel eine (äußerst moderate) Steuersenkung an ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent gebunden und davon, das war absehbar, kann keine Rede sein. Nachdem sich auch das Nulldefizit nicht ausgehen wird, stellen sich zwei Fragen: Wo sind eigentlich die wirtschaftspolitischen Reformen, mit denen diese Koalition unter der Devise "Neu Regieren" angetreten ist? Und was hat Finanzminister Karl-Heinz Grasser zur Rechtfertigung seiner Steuererhöhungen ohne Beispiel vorzuweisen? Kümmert sich jetzt noch irgendwer um reale Wirtschaftspolitik? Die Debatte müsste sich nun eigentlich von Marketing-Geplapper über Nulldefizite und Steuersenkung ja/nein ab- und der Frage zuwenden, wie man einem absehbaren deutlichen Konjunktureinbruch und steigenden Arbeitslosenzahlen begegnet. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2002)