St. Pölten/Linz - Die Auszahlung von Hochwasserentschädigungen ist angelaufen. Bis Mittwoch wurden in Nieder- und Oberösterreich insgesamt 20,6 Millionen Euro an Überschwemmungsopfer übergeben: 14,3 Millionen im Land ober, sechs Millionen im Land unter der Enns.340 niederösterreichischen Hochwassergeschädigten habe man so 20 Prozent der Einbußen ersetzt, erläutert der Landeskoordinator für Katastrophenhilfe, Heinrich Piringer - erst ein kleiner Anteil der von ihm geschätzten rund 15.000 bis 18.000 Anspruchsberechtigten "in der ersten Entschädigungsrunde". In Runde zwei, die "in vier, fünf Wochen" starten werde, können so genannte "Härtefälle" bis zu 50 Prozent des Schadens in Rechnung stellen. Bundesweit gibt es für Entschädigungen bisher 1,5 Milliarden Euro von Bund und Ländern, dazu kommen Millionen an Spenden. Zumindest in Niederösterreich werden die "offiziellen" Gelder auch Zweitwohnungsbesitzern zugute kommen. Unter - wie Piringer ausführt - "breiter Auslegung der entsprechenden Richtlinien". Diese setzten zwar das "dringende Wohnbedürfnis" des Betroffenen voraus. Doch: "Auch das Wohnbedürfnis eines nahen Angehörigen wird von uns berücksichtigt." In Oberösterreich stößt der bürokratische Hürdenlauf zur Soforthilfe teils auf Kritik. "Die Abwicklung ist eine Katastrophe", moniert etwa Kurt Gaßner, SP-Bürgermeister der schwer betroffenen Gemeinde Schwertberg. "Die Leute müssen wegen 400 Euro einen Antrag ausfüllen, dann muss dass mit dem Katastrophenfonds abgeklärt werden und später die ausbezahlte Summe wieder abgezogen werden", kritisiert Gaßner. In seiner Gemeinde erhalten daher nur jene Menschen, die Geld für den Lebensunterhalt benötigen, gegen eine Empfangsbestätigung Bares. "Den anderen raten wir, erst in Ruhe die Schadenshöhe festzustellen." 250 Gebäude sind in Schwertberg zum Teil schwer beschädigt. Bei Immobilienmaklern trudeln indes erste Anfragen von Hochwassergeschädigten ein, die ihre Häuser und Grundstücke verkaufen wollen. Die Makler winken ab: "Käufer sind jetzt nur an absolut hochwassersicheren Lagen interessiert. Selbst ein Teich in der Nähe ist zu viel", schildert etwa Johann Wild von der Realitätenkanzlei Wild im niederösterreichischen Gmünd. (bri, moe/DER STANDARD, Printausgabe 22.08.2002)