Houston/New York - Im Betrugsskandal um die Bankrott gegangene amerikanische Energiehandelsfirma Enron hat erstmals ein ehemaliger Mitarbeiter kriminelles Handeln eingeräumt. Ex-Finanzmanager Michael J. Kopper (37), dem das Justizministerium Geldwäsche und Verschwörung zum Betrug vorwirft, bekannte sich am Mittwoch vor Gericht in Houston in Texas im Hinblick auf beide Vorwürfe schuldig. Gleichzeitig machte die Wertpapier- und Börsenaufsicht (SEC) in Washington eine Klage gegen Kopper publik. Sie warf ihm vor, Bestimmungen der Wertpapieraufsicht zur Verhinderung von Betrug verletzt zu haben. Kopper galt als rechte Hand von Enron-Finanzchef Andrew Fastow, der als Schlüsselfigur der Finanzbetrügereien gilt. US-Bezirksrichter Ewing Werlein setzte die Kaution für Kopper auf fünf Millionen Dollar fest. Die Ermittler prüfen zurzeit, ob Enron-Manager wie der Vorstandsvorsitzende Kenneth Lay von den Partnerschaften wussten, mit denen Verluste verschleiert und Gewinne aufgebläht wurden. Kopper habe sich ohne Schuldeingeständnis einverstanden erklärt, nie mehr Ämter in Aktiengesellschaften einzunehmen, teilte die SEC mit. Zudem werde er zwölf Millionen Dollar (12,29 Mill. Euro) zurückzahlen, die er durch die dubiosen Geschäfte bei Enron verdient hatte. Vier Millionen Dollar davon sollen an Enron-Opfer gehen, darunter Mitarbeiter, die ihre Altersvorsorge in inzwischen wertlose Enron-Aktien angelegt hatten. Zusammenarbeit mit Durchbruch Im Gegenzug für eine milde Strafe hat Kopper sich bereit erklärt, den Behörden bei den Ermittlungen gegen andere ranghohe Enron-Manager zu helfen. Das ist für die Behörden, die seit der spektakulären Pleite im Dezember vergangenen Jahres wegen Betrugs ermitteln, nach Angaben von Justizbeobachtern ein entscheidender Durchbruch. Mit Hilfe von Kopper hoffen sie, Anklage gegen andere ehemalige Manager erheben zu können, darunter auch Fastow. "Wir gehen davon aus, dass die Zusammenarbeit, zu der sich Kopper bereit erklärt hat, dazu beitragen wird, dass alle, die zum Zusammenbruch des Unternehmens beigetragen haben, identifiziert werden", sagte der SEC-Direktor für Strafverfolgung, Stephen Cutler. 15 Jahre Haft Inwieweit die für die Delikte mögliche Strafe von 15 Jahren Gefängnis reduziert wird, hängt nach Angaben von Justizbeobachtern davon ab, wie wertvoll Koppers Zusammenarbeit mit der Justiz eingeschätzt wird. Kopper wurde gegen Kaution von fünf Millionen Dollar auf freien Fuß gesetzt. Kopper hat nach eigenen Angaben zusammen mit dem Finanzchef mehrere der dubiosen Partnerschaften, in denen das Unternehmen Schulden in dreistelliger Millionenhöhe versteckte, gemanagt. Auf diese Weise trieb Enron die Gewinne und den Aktienkurs in die Höhe. Kopper führte die Partnerschaft Chewko Investment. Er arbeitete auch eng mit dem ehemaligen Enron-Präsidenten und Firmenchef Jeffrey Skilling und dem früheren Enron-Verwaltungsratsvorsitzenden Kenneth Lay zusammen. Enron war im Dezember vergangenen Jahres in Konkurs gegangen. Die Aktionäre haben Milliarden Dollar verloren. Tausende von Enron-Mitarbeitern wurden arbeitslos, andere Energiehandelsfirmen wie Dynegy gerieten ebenfalls in Schwierigkeiten. Der Enron-Kollaps war Auftakt einer beispiellosen Buchführungs-Skandalwelle in den USA. Weitere Firmen wie die Telekomriesen WorldCom und Global Crossing sowie die Kabelfernsehfirma Adelphia folgten. Der Fall ist auch politisch brisant: Enron hatte US-Präsident George W. Bush in seinem Wahlkampf mit großzügigen Spenden unterstützt. Zugleich flossen aber auch Firmengelder an die heute oppositionellen Demokraten. (APA/dpa/Reuters/AP/AFP)