CLEVELAND WATKISS Victory's Happy Songbook (Infracom/Black Market) Betrachtet man sich die Liste der Arbeitgeber, für die der Brite Cleveland Watkiss bisher als Studiosänger die Stimme erhoben hat, bekommt man den Eindruck, man hätte es mit einer - 'Tschuldigung - Edelnutte zu tun: Von Stevie Wonder über ABC zu Grooverider, Goldie, Talvin Singh und zurück über The Who, Lisa Stansfield oder UFO reicht der hier nur fragmentarisch wiedergegebene Kundenkreis dieses Ausnahme-Vokalisten. Auf seinem fünften Soloalbum gibt sich Watkiss dann auch entsprechend vielseitig: Elegante Grooves mit Jazz-Motiven und zarten Breakbeat-Charakteristiken wiegen sich mit tiefgestapeltem Soul, den Watkiss, ohne den Akrobaten raushängen zu lassen, stimmlich begleitet. Keine Downtempo-Fadesse, sondern eine atemberaubende Reise durch die Vielfalt zeitgenössischer Soul- und Funkmusik mit Affinität zum Jazz im Einzugsgebiet der Club-Kultur: schwere Empfehlung! INTERNATIONAL PONY We Love Music (Sony) Eine charmante Symbiose aus abgebremstem House, Pop und dem, was sich drei deutsche Bleichgesichter unter Soul vorstellen, präsentiert International Pony. Ohne große Stücke auf Oberflächenpflege zu geben, klingen die meisten Songs eher Low-Fi. Auf Hangin' Around fladern die Ponys ziemlich ungeniert bei dem in ähnlichen Gefilden beheimateten, aber um Klassen besseren Ashley Slater. Der Abwechslungsreichtum der Ponys lässt das aber gerne vergessen. Zwar wirken manche Stilbrüche so steif, wie man es den deutschen Freunden gerne als wesensimmanent nachsagt, insgesamt hinterlässt We Love Music doch Wohlwollen. BLÜTE Various Artists (Karate Joe/Hoanzl) Avancierter Heimwerker-Techno- und Synthie-Pop mit jener Emotionsfärbung, wie man sie etwa von B. Fleischmann kennt, charakterisieren die Werkschau Blüte des burgenländischen Labels Karate-Joe: In warm gehaltene Grundstimmung bettet man hübsche Melodien ein und perforiert diese mit zappeligem Gefrickel, ohne dem Hörer ans Nervenkostüm zu gehen. Minimalismus und Zurückhaltung erscheinen hier nicht als Ideenlosigkeit, sondern als Zier. Gesungen wird, wenn, dann Deutsch, und tatsächlich hervorheben sollte man bei dieser CD niemanden, da alle zehn Stücke qualitativ gleichwertig erscheinen: Die Jungs in Weilheim sollen sich warm anziehen! (derStandard/rondo/flu/23/8/02)