Alpbach - Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) widerspricht Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl: Die EU-Erweiterung werde so wie die Ostöffnung 1989 eine Erfolgsgeschichte für die österreichische Wirtschaft sein, "sie wird nicht nur zusätzliches Wachstum, sondern auch zusätzliche Arbeitsplätze bringen", sagte Bartenstein am Donnerstag am Rande des Europäischen Forums Alpbach. Leitl hatte dagegen am Mittwoch in Alpbach davor gewarnt, dass durch die Ostöffnung 20 Prozent der Betriebe und somit 400.000 Arbeitsplätze in Österreich potentiell gefährdet seien. Für Bartenstein ist wichtig, "im Vorfeld der Erweiterung klaren Kurs zu halten und den Menschen in Österreich weiterhin das Vertrauen zu geben, dass die Erweiterung für Österreich positiv sein wird - gerade und zuallererst für unsere Wirtschaft". Leitl hatte am Mittwoch trotz düsterer Konjunkturprognosen an seiner Forderung nach einer Lohnnebenkosten- und Steuersenkung für Unternehmen festgehalten. Auch der Wirtschaftsminister hält dies aus Standortgründen und einer Abgabenquote von über 45 Prozent für sehr wichtig. Aber absolute Priorität hätten jetzt die Hochwasseropfer. Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache Derartige Entlastungen müssten auch immer im wirtschaftlichen und konjunkturellen Umfeld gesehen werden, "und das hat sich in den letzten Wochen entscheidend verschlechtert. Die Regierung habe immer betont, dass eine Steuersenkung im kommenden Jahr nur bei einem Wachstum von 2,5 Prozent leistbar sei. Die Wirtschaftsforscher hätten nun aber ein Wirtschaftswachstum von maximal zwei Prozent prognostiziert. "Hier sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache, eine Verschiebung ergibt sich daraus zwingend", sagte Bartenstein. "Aus heutiger Sicht sehe ich für das Jahr 2003 keinen Entlastungsspielraum, weil wir sonst vom Pfad der Budgetkonsolidierung abweichen würden und das wäre nicht gut für den Standort", so der Wirtschaftsminister.(APA)