Für die insolvente Online-Musikbörse Napster haben sich bisher keine neuen Investoren gefunden, die eine Alternative zur Zukunft als Bertelsmann-Tochter bieten könnten. Damit wird die endgültige Übernahme der Mutter aller Peer-to-Peer-Systeme durch Bertelsmann immer wahrscheinlicher, berichtet die Los Angeles Times . Am 29. August findet noch eine letzte Anhörung statt. Sollte bis dahin kein Interessent mindestens 25 Mio. Dollar für Napster bieten, ist der Weg für den deutschen Medienkonzern frei. Neben Napster übernimmt Bertelsmann auch das Musiklabel Zomba. Die rund drei Mrd. Euro sollen nun doch bar bezahlt werden. Suche nach Investoren Der Gläubigerausschuss von Napster hatte Anfang August die Investmentbank Trenwith Securities mit der Suche nach Investoren beauftragt. Diese Suche ist laut LA Times bis zur gestern abgelaufenen Frist erfolglos geblieben. "In dem gegebenen zeitlichen Rahmen haben wir alles menschenmögliche getan“, sagte Rick Chance von Trenwith Securities. Eine letzte Frist läuft noch bis 29. August. Nach den Veränderungen in der Führung von Bertelsmann blickt das Napster-Management offenbar einer Zukunft bei Bertelsmann weniger optimistisch entgegen als bisher. Perspektivenänderung Der Abgang von Thomas Middelhoff als Chef von Bertelsmann hat nicht nur die Perspektiven bei Napster verändert. Auch die Akquisition des Musiklabels Zomba verläuft nun nicht mehr in den von Middelhoff favorisierten Bahnen, berichtet die Financial Times (FT) heute, Donnerstag. Der durch eine vertragliche Vereinbarung notwendige Kauf der Anteile von Zomba-Gründer Clive Calder sollte nach den Vorstellungen von Ex-Chef Middelhoff kostensparend abgewickelt werden. Calder sollte demnach Chef der mit Zomba fusionierten BMG werden. Laut FT hätte Calder seine Zomba-Anteile in BMG-Anteile getauscht und so 49 Prozent von BMG bekommen. Diese Art der Transaktion hätte jedoch bedeutet, dass die 75-Prozent-Mehrheit der Familie Mohn an Bertelsmann gemindert worden wäre. Das neue Management unter Gunter Thielen will nun Calder auszahlen und die Summe von etwa drei Mrd. Euro "in Cash" bezahlen. Dadurch wachsen die Schulden des Konzerns bis Jahresende auf vier Mrd. Euro an.(pte)