Graz - Die Scheidung sei in Österreich für viele Frauen immer noch eine "Armutsfalle", so die steirische ÖGB-Frauenvorsitzende Karin Sprachmann am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Graz. Dem Armutsbericht zu Folge gehörten erwerbslose geschiedene Frauen und Alleinerzieherinnen zur am stärksten von Armut betroffenen Gruppe in Österreich. Die Steiermark sei da keine Ausnahme. Aus ihren Beratungen für Betroffene wisse sie, so Sprachmann, dass atypische Beschäftigungsverhältnisse und auch verstärkt die gemeinsame Obsorge in schlechtere Verhältnisse führen können. Gefordert wird ein einkommensabhängiges Karenzgeld, eine sozialrechtliche Besserstellung atypischer Beschäftigungen sowie Frauenförderpläne in Betrieben. Die Zahl der Familien mit Eheproblemen sei ständig im Ansteigen begriffen, eskalieren würden diese laut der ÖGB-Landesfrauenvorsitzenden speziell nach Feiertagen und Ferienzeiten. "Besonders betroffen machen jene Fälle, die nach Eheproblemen in die Beratungen kommen, in denen die Frauen keine Arbeit haben", meinte Sprachmann. Nach ihrer Erfahrungen seien Frauen ohne Arbeit und über 45 Jahren in 99 Prozent aller Fälle die Benachteiligten und somit die am stärksten von Armut nach Scheidung betroffene Gruppe. Frauen, die einen Job haben, stünden in der Regel eine Scheidung leichter durch. Auch werde die gemeinsame Obsorge verstärkt zum Druckmittel des Ehegatten gegen die Frau im Falle einer Scheidung: "Wenn die Kinder bei der Mutter sind, wird die etwa für einen Pass nötige Unterschrift des Vaters leicht zum Druckmittel", so die ÖGB-Frauenvorsitzende. Frauen, die sehr lange zu Hause bei den Kindern gebleiben seien, schafften oft nach einer Scheidung den Wiedereinstieg in den Beruf nicht mehr, eine unbedingte Voraussetzung für das Auskommen. Atypische Beschäftigungsverhältnisse führten zu völlig ungesicherten Einkommen ohne sozialrechtliche Absicherung, ein Großteil des Einkommens, bis zu 80 Prozent, komme dabei nicht aus einer Erwerbstätigkeit, sondern aus Hilfen und Zuschüssen. Sprachmann forderte namens der steirischen ÖGB-Frauen ein einkommensabhängiges Karenzgeld bis zu 80 Prozent des letzten Einkommens, sozialrechtliche Verbesserungen bei atypischen Beschäftigungsverhältnissen sowie die Abschaffung der automatischen Gemeinsamen Obsorge nach einer Scheidung. Zusätzliche wären Frauenförderpläne in Betrieben von Nöten, die Job und Familie vereinbar machen würden. In Österreich seien im Jahr 2001 genau 34.213 Ehen geschlossen (2000: 39.228) und 20.582 (2000: 19.552) geschieden worden. In der Steiermark waren im selben Zeitraum 4.818 Ehen (2000: 5.473) geschlossen und 2.682 (2000: 2.567) geschieden worden. Dies bedeute eine steigende Scheidungsrate, mehr als jede zweite Gemeinschaft gehe bereits auseinander. In der Steiermark sind Sprachmann zu Folge mehr als 3.000 Kinder von den Folgen einer Scheidung betroffen. In der Landeshauptstadt Graz schlossen 2001 exakt 1.227 Paare (2000: 1.269) den Bund fürs Leben, die Trennung wurde von 821 Ehepaaren (2000: 682) vollzogen. Das heiße, so Sprachmann, dass in Graz sogar zwei Drittel aller Ehen wieder wieder geschieden würden. Die Anteil der allein erziehenden Frauen belaufe sich österreichweit auf 253.000. (APA)