Wiesbaden - Das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) sieht zum Jahrestag des 11. September keine erhöhte Gefahr von Anschlägen islamischer Terroristen in Deutschland. "Wir haben keine konkreten Erkenntnisse über geplante Anschläge, Zeitpunkte oder Orte und sehen deshalb auch keine Notwendigkeiten für Warnungen", sagte BKA-Präsident Ulrich Kersten am Donnerstag in Wiesbaden vor Journalisten. Kersten verwies zudem auf den Fahndungsdruck, der auf mutmaßliche islamistische Terroristen ausgeübt werde. Derzeit liefen 71 Ermittlungsverfahren mit rund 100 Beschuldigten wegen des Verdachts der Mitgliedschaft oder Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Die Sicherheitsbehörden hätten ein besonderes Augenmerk auf eine Reihe islamischer Zentren und extremistischer Vereine, in welchen für den Dschihad, den islamischen Heiligen Krieg, geworben und agitiert werde, sagte Kersten. Die Zahl dieser Zentren liege "im zweistelligen Bereich". Schwerpunkte seien unter anderem Hamburg und Aachen. Das BKA setzt laut Kersten derzeit rund 450 Beamte im Bereich islamistischer Extremismus ein. Die Behörden gehen dem BKA-Chef zufolge davon aus, dass sich "eine Reihe von gewaltfähigen Extremisten" auch in Deutschland aufhalten. Dabei handele es sich um sogenannte non-aligned-Mudjahedin ("ungebundene Gotteskrieger"), die vom El-Kaida-Netzwerk zu Terroristen ausgebildet worden seien. Deutschland diene diesen "Gotteskriegern" nicht nur als Planungs- und Vorbereitungsraum. Gefährdet seien in der Bundesrepublik auch jüdische und israelische Einrichtungen sowie Einrichtungen der USA und Großbritanniens.(APA)