Belgrad - Sieben Jahre nach Kriegsende in Bosnien-Herzegowina scheinen nationalistisch orientierte Parteien und Politiker weiterhin große Popularität zu genießen. Laut einer neuesten Umfrage können die Serbische Demokratische Partei (SDS) und die Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) bei der Parlamentswahl am 5. Oktober mit über 30 Prozent der Stimmen rechnen. Etwas anders ist die Situation bei den Bosniaken: Hier liegt die Sozialdemokratische Partei von Außenminister Zlatko Lagumdzija vor der Partei der Demokratischen Aktion (SDA). Acht von zehn befragten bosnischen Serben haben laut dieser vom US-Außenministerium in Auftrag gegebenen und im Juli durchgeführten Studie eine "gute Meinung" über den wegen Kriegsverbrechen angeklagten früheren Präsidenten der Serbischen Republik, Radovan Karadzic. Während Vertreter der internationalen Staatsgemeinschaft über mangelnde Bereitschaft der bosnisch-serbischen Behörden klagen, Kriegsverbrecher festzunehmen, warnen gemäßigtere Parteien vor Aktionen, die den Nationalisten Auftrieb geben könnten. Als eine solche Aktion wird von manchen Experten und Politikern auch die vergangene Woche in Ost-Bosnien durchgeführte dreitägige SFOR-Fahndung nach Karadzic bzw. seinen Unterstützern angesehen. Solche Aktionen führten zur "Homogenisierung der Serben auf ethnischer Grundlage", meinte der Chef der bosnisch-serbischen Sozialisten, Petar Djokic. Seiner Ansicht nach hätten sich die internationalen Friedenstruppen mit ihrem Unternehmen gar in den Wahlkampf auf Seiten der SDS eingemischt. Von einer Einmischung der SFOR in den Wahlkampf spricht auch das serbische Mitglied des bosnischen Präsidiums, Zivko Radisic. Er hatte eine Aufforderung des SFOR-Befehlshabers, des US-Generals John Sylvester, ein einheitliches bosnisches Verteidigungsministeriums zu bilden, zurückgewiesen. Dieses an Stelle der beiden Verteidigungsministerien der zwei Gebietseinheiten (bosniakisch-kroatische Föderation und bosnische Serben-Republik) zu bilden, sei eine "Unterstützung der Nationalisten", sagte Radisic. Wie stark die ethnische Intoleranz und nationalistische Einstellungen weiterhin präsent sind, konnte auch anlässlich des ersten Fußballspiels zwischen Bosnien und Jugoslawien seit Beendigung des Krieges beobachtet werden. Mehrere hundert bosniakische und serbische Fans gerieten sich am Mittwoch in Sarajewo in die Haare. Sie benutzten das Stadion als Arena zur Äußerung ihrer nationalen und aggressiven Gefühle. Laut Belgrader Medien haben serbische "Fans" mit nationalistischen Parolen die Auseinandersetzungen, die mehrere Verletzte forderte, ausgelöst.(APA)