Ankara - Der Hungerstreik politischer Häftlinge in der Türkei hat am Donnerstag ein weiteres Todesopfer gefordert. Der 23-jährige Melek Birsen Hosver starb nach elfmonatiger Nahrungsverweigerung in einem Krankenhaus in Ankara, wie die Solidaritätsorganisation "Özgür Tayad" mitteilte. Laut Nachrichtenagentur AP handelte es sich bei Hosver um den 54. Toten des Hungerstreiks, der bereits seit zwei Jahren andauert. Die linksextremistische Revolutionäre Volksbefreiungsfront (DHKP/C), der der Verstorbene angehörte, sprach in einer Aussendung sogar vom 94. Opfer des "Todesfastens". Hosver war wegen seiner Mitgliedschaft in der DHKP/C, die in der Türkei verboten ist, inhaftiert worden. Die Häftlinge protestieren seit Oktober 2000 gegen die Unterbringung in Ein- bis Drei-Bett-Zellen statt wie bisher in Gemeinschaftssälen. Sie sagen, in den kleinen Zellen stärker der Willkür und Gewalt von Polizei und Wachpersonal ausgesetzt zu sein. Wie das DHKP/C-Informationsbüro in Wien erklärte, soll die türkische Regierung einen Kompromissvorschlag der türkischen Anwaltskammern zur Beendigung des Hungerstreiks - Zusammenlegung von mindestens neun Personen in einem Raum - abgelehnt haben. Laut AP befinden sich derzeit 100 Häftlinge im Hungerstreik, die DHKP/C spricht von 20 Personen. DHKP/C und ihre Vorgängerorganisation Devrimci Sol gelten laut amerikanischem Außenministerium als Terrororganisationen und haben in der ersten Hälfte der neunziger Jahre mehrere Anschläge in Istanbul und Ankara verübt. Die größte Aktion von Devrimci Sol war 1992 das Abfeuern von Raketen gegen das US-Konsulat in Istanbul.(APA/AP)