Einen Monat vor der deutschen Bundestagswahl hat SPD-Generalsekretär Franz Müntefering die Politik-Berichterstattung der Hamburger "Bild"-Zeitung erneut attackiert. "Die Bild-Zeitung von heute ist als Einpackpapier geeignet, aber nicht als Information", erklärte Müntefering am Donnerstag. Die Zeitung sei ihren Preis von 45 Cents nicht wert, wenn sie am 22. August behaupte, eine Wahlumfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach sei die neueste aller Umfragen. "Es gibt mindestens drei, die neuer sind, mit besseren Zahlen für die SPD. Nicht 31,9 Prozent, sondern 34 bis 36 Prozent", erklärte Müntefering. "Bild hat verpennt." Die Zeitung hatte am Donnerstag auf ihrer Titelseite unter der Überschrift "Neueste Umfrage: SPD runter auf 31,9 Prozent" berichtet, die Partei von Bundeskanzler Gerhard Schröder verliere weiter an Zustimmung. "Bild" hatte sich dabei auf eine Allensbach-Umfrage berufen, deren Ergebnisse am Mittwoch in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht worden waren. Umfragen Die Umfragedaten von Allensbach waren zwischen dem 7. und dem 13. August erhoben worden. Am Montag hatte das Institut Dimap eine Umfrage veröffentlicht, die zwischen dem 14. und dem 16. August geführt wurde und die SPD bei 34 Prozent sieht. Bei der Forschungsgruppe Wahlen, die ihre Zahlen vergangenen Freitag präsentierte, lag die SPD zwischen dem 12. und dem 15. August bei 36 Prozent. Auf das selbe Ergebnis kam eine am Wochenende veröffentlichte Forsa-Umfrage, deren Daten am 15. und 16. August ermittelt wurden. Kein Kommentar Müntefering erklärte, man könne mit der Zeitung über politische Inhalte in Streit geraten, daran sei man gewöhnt, und das gehöre zum Geschäft. "Dass 'Bild' nun anfängt, die Nachrichten von vorvorgestern als 'Neueste' zu verbreiten, ist eine neue Qualität", hieß es in der Mitteilung. Die Chefredaktion der Bild-Zeitung wollte die Aussagen von Müntefering auf Anfrage nicht kommentieren. Erst vor rund zwei Wochen hatte Müntefering eine Strafanzeige gegen die Zeitung in der Bonusmeilen-Affäre zurückgezogen. Er hatte die Anzeige gestellt, weil "Bild" seiner Meinung nach monatelang Bundestagsabgeordnete ausgespäht und Erkenntnisse über die Nutzung von Bonus-Flugmeilen gezielt zu Wahlkampfzwecken missbraucht hatte. Die Anzeige war vielfach als Angriff auf die Pressefreiheit kritisiert worden und hatte zu gemeinsamen Protesten der Chefredakteure elf führender Medien geführt. Auch in der SPD war die Anzeige kritisch bewertet worden. (APA/Reuters)