Alpbach - Die Frage, was Standorte und Unternehmen im wirtschaftlichen Wettbewerb erfolgreich macht, stand am Donnerstag im Mittelpunkt einer Diskussion bei den Alpbacher Technologiegesprächen. Die oftmals behauptete Überlegenheit der westlichen Zivilisation stellte der Historiker Felipe Fernandez-Armesto von der Universität London in Frage. Bis vor 200 Jahren habe die Zivilisation ein östliches Gesicht gehabt, erst durch die Französische und die Industrielle Revolution habe der Westen seine Vormachtstellung durchgesetzt. China, so warnte der Wissenschafter, sei ein "schlafender Riese". Der Westen müsse wachsam sein, dass sich die Geschichte nicht wieder umkehre.Innovationsführerschaft Für den Präsidenten der Industriellenvereinigung, Peter Mitterbauer, zählt dagegen: "Wer die besten Köpfe hat, gewinnt". Ein Hochlohnland wie Österreich müsse daher dringend Rahmenbedingungen schaffen, um Innovationsführerschaft zu ermöglichen. Mitterbauer nannte vier Säulen einer Strategie zu einer erfolgreichen Standortpolitik: Technologieführerschaft, Kundenorientierung, globale Präsenz und die ständige Bereitschaft zur Reform und Weiterentwicklung der eigenen Strategien. "Sieger stellen sich selbst auf den Prüfstand", so Mitterbauer, "wir müssen das zur Leitlinie für Österreich machen". "Gewinn ist sicher nicht die einzige Maßzahl", sagte der Präsident von Magna Steyr, Siegfried Wolf. Das Denken in Quartalsergebnissen in der Wirtschaft müsse einem längerfristigen Ansatz weichen. Im Zentrum sollte dabei die Maximierung des "Stakeholder"-Values stehen, "das heißt: Ein Unternehmen muss ein gutes, ausgewogenes Verhältnis mit allen wichtigen Bezugsgruppen pflegen und bei allen Schritten immer die Interessen dieser Bezugsgruppen im Auge behalten". Für Rudolf Fischer, Marketingvorstand der Telekom Austria (TA), ist auch Glück eine Grundlage des Erfolgs. So habe sein Unternehmen glücklicherweise eine konservative Expansionsstrategie verfolgt, sagte Fischer in Hinblick auf Einbrüche in der Telekommunikationsbranche. Künftig sollten aber auch Wertre wie Nachhaltigkeit stärker berücksichtigt werden. Die TA werde dazu im Herbst einen Bericht vorlegen. Fischers Bemerkungen veranlassten Fernandez-Armesto zu der Frage: "Wenn es das Glück ist, das zählt, wie sind dann die hohen Gehälter in den Top-Manageretagen zu rechtfertigen?" (APA)