Dieser Tage diskutierten wir im Kollegenkreis, ob man heute noch "Zähren" schreiben könne. "Zähren" - wie in "er vergoss heiße Zähren" (=Tränen). Die Meinungen der Anhänger altfränkischer Ausdrucksweisen und der Verfechter des modernen, leserorientierten Servicegedankens prallten aufeinander. Die Diskussion wurde aus Zeitgründen (immer im Dienste des Informationsfiebers!) abgebrochen, was schade ist. Einerseits hat ja der Leser ein Anrecht darauf, kurz, knapp und in heutigem Vokabular informiert zu werden, andererseits hat es seinen Reiz, einmal einen Begriff wie "Quisquilien" in den Text einzustreuen, "um dem ausgefallenen Wort wieder einmal zu Ehren zu verhelfen" (Fritz von Herzmanovsky-Orlando in "Maskenspiel der Genien"). Problematisch kann es werden, wenn nicht mehr die rechte Begriffssicherheit da ist und "Gespons" (wie in "Ehegespons") geschrieben wird, wo es "Gespinst" heißen müsste. Vielleicht hilft die Marktforschung: Will der Leser in seinem Qualitätsblatt noch Begriffe wie "Scherge" oder "mit Fug und Recht" oder "Ohm" und "Base" oder eben "Zähren" finden? Wenigstens gelegentlich?Mitteilungen bitte an die Hauptschriftleitung.