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Wien - Während dem deutschen Arbeitsmarkt durch die Vorschläge der Hartz-Kommission umwälzende Veränderungen bevorstehen, wird das deutsche Modell derzeit in Österreich hinter verschlossenen Türen heftig diskutiert. In einem dem Standard vorliegenden Strategiepapier, das noch unter Verschluss gehalten wird, haben nun Arbeiterkammer und Gewerkschaft dazu Stellung bezogen. Der Sukkus: Das Gros der deutschen Vorschläge ist ungeeignet, um in Österreich den Wirkungsgrad der Jobvermittlung zu steigern. Und: So manche Hartz-Idee wäre für heimische Arbeitslose ein Zuckerl, über das sie nur jubeln könnten. Durchschnittliche Leistungsanhebung Der deutsche Vorschlag, das Arbeitslosengeld in den ersten Monaten in Höhe von 750 € zu pauschalieren, würde nämlich in Österreich eine durchschnittliche Leistungsanhebung von 70 € nach sich ziehen. Dies mache deutlich, heißt es, "dass Österreich Nachholbedarf bei der Erreichung einer wirksamen Existenzsicherung hat, wenn man plötzlich ohne Job dasteht". In Dänemark etwa reiche das Arbeitslosengeld in den ersten Monaten sogar knapp bis an das letzte Einkommen heran. Wie berichtet, will die Hartz-Kommission außerdem die derzeitige Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes von bis zu 32 Monate auf zwölf Monate zurückschrauben. Auch hier könnte sich das Gros der Österreicher, die im Schnitt vier Monate ohne Arbeit sind, die Hände reiben. Die in Deutschland angepeilte Jahresfrist entspricht nämlich akurat der heimischen Höchstbezugsdauer. Die gilt aber nur für Menschen, die über 50 sind und ohne Job dastehen. Bonus-Malus-Modell favorisiert Goutiert wird von den Experten die Idee eines Bonus- Malus-Modells für die Beitragsfestsetzung zur Arbeitslosenversicherung. Derartige Modelle werden seit langem durchaus erfolgreich in den USA umgesetzt, wo Unternehmen, die besonders häufig kündigen, einen weit höheren Beitrag zur Arbeitslosenversicherung leisten als solche, die eine geringe Fluktuation der Belegschaft vorweisen. Lohnsubventionen, also "Kombilöhne", werden von den heimischen Experten hingegen sehr skeptisch beurteilt. Sie seien völlig unökonomisch, da Lohnstützungen zu einem enormen Aufwand der öffentlichen Hand von rund 73.000 € pro Jahr und geförderter Person führen würden, heißt es. Benchmark AMS-Österreich Die so genannte "Ich-AG", mit der Pfusch im persönlichen Dienstleistungsbereich bekämpft werden soll, würde wiederum nur dazu führen, dass Arbeitssuchende lediglich aus der Notlage heraus und weniger wegen der Marktfähigkeit ihrer Geschäftsidee unter die Selbstständigen gehen, was steigende Privatinsolvenzen nach sich ziehen würde. Außerdem sei für "Arbeitgeber", die Dienstleistungen schwarz beanspruchen, nur die völlige Abgabenfreiheit der Kick, der Anreiz steuerliche Absetzbarkeit sei zu gering, um Dienstleister, wie etwa Haushaltshilfen, regulär zu beschäftigen. Zufriedenheit kommt bei den Autoren des Strategiepapiers nur auf, wenn sie das deutsche mit dem österreichischen Arbeitsmarktservice (AMS) vergleichen. Das System des ausgegliederten und unter Mitwirkung der Sozialpartner umgesetzten AMS- "Management by Objectives" habe sich - trotz permanenter Budgetnöte - in der EU bereits als Benchmark dargestellt. Höher könnte die Latte aber trotzdem noch bei der Kundenorientierung und bei der stärkeren Ausrichtung auf Qualitätsziele gelegt werden. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 21.8.8.2002)