München/Berlin - Der sächsische Neonazi und V-Mann Mirko H. hat offenbar mit Wissen und Duldung des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) Nazi-CD's vertrieben, auf denen zum Mord an Politikern und Juden aufgerufen wird. Nach einem Bericht des Münchner Magazins "Focus" verdiente der Nazi-Spitzel damit 105.000 Euro. Zudem habe er noch von dem nicht eingeweihten Dresdner Wirtschaftsministerium Existenzgründerhilfe bekommen, mit der er den Handel mit den Hass-Liedern aufbaute. Laut "Focus" verschwieg das deutsche Innenministerium überdies dem Geheimdienstausschuss des Bundestages bewusst, dass Mirko H. im Dezember 2001 unter anderem wegen Volksverhetzung und illegalen Waffenbesitzes zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden war. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums widersprach dem. Nach "Focus"-Informationen wurde der Innen-Staatssekretär Claus Henning Schapper in einer geheimen Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG) am vergangenen Montag wegen der unterlassenen Information scharf kritisiert. Das PKG werde sich nun mit dem umstrittenen Einsatz des kriminellen Spitzels befassen; auch der Innennausschuss des Bundestags werde den Fall erörtern. Im Innenministerium hieß es am Samstag dazu, es sei "nicht richtig, dass das Bundesinnenministerium in dieser oder einer vorangehenden Sitzung des PKG unrichtig, unvollständig oder gar nicht über einen Vorgang unterrichtet hätte, über den man hätte unterrichten müssen". Es sei überdies auch nicht richtig, dass auf der jüngsten Sitzung des PKG in dieser Hinsicht Kritik geübt worden sei, betonte der Ministeriumssprecher. (APA)