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Der Solist der Weltpolitik: George W. Bush

Foto: Reuters/Wilkins
Johannesburg - Ein hochrangiger Vertreter der US-Delegation des am Montag beginnenden Erdgipfels in Johannesburg hat Kritik am Fernbleiben von Präsident George W. zurückgewiesen. Der für internationale Umweltfragen zuständige Staatsekretär John Turner sagte Reuters am Samstag in Johannesburg, der Präsident habe sich seit Monaten mit vollem Engagement auf den Gipfel vorbereitet. Jetzt werde in den USA jedoch seine Führungskraft auf dem Gebiet der inneren und äußeren Sicherheit sowie in Wirtschaftsfragen benötigt. "Er konzentriert sich wirklich auf diese beiden Themen", fügte Turner hinzu. Die US-Delegation wird in Südafrika von Außenminister Colin Powell angeführt. Andere westliche Staaten sind hingegen zumeist mit Staats- oder Regierungschefs auf dem UNO-Gipfel für nachhaltige Entwicklung vertreten. Dieser Umstand hat Bush die Kritik von Umweltschützern eingetragen, er bleibe der zehntägigen Konferenz aus Desinteresse an der Umweltpolitik fern. Gefahr für die Märkte Knapp hundert Staats- und Regierungschefs und 40.000 Delegierte werden ab Montag in Johannesburg erwartet. Zentrales Thema des Weltgipfels ist es, zehn Jahre nach dem Klimagipfel von Rio de Janeiro eine Bestandsaufnahme nachhaltiger Entwicklung zu ziehen und über Fortschritte bei Armutsbekämpfung, Ressourcen und Umweltschutz zu beraten. Dabei soll eine zukunftsfähige, politische Strategie der Industrie- und der Entwicklungsländer für die elementaren Bereiche Wasser, Energie, Gesundheit, Landwirtschaft und Artenvielfalt ausgearbeitet werden. Die Entwicklungsländer drängen auf eine energische Bekämpfung der Ursachen der Massenarmut und setzen dabei auf großzügige Handelserleichterungen. Die USA und viele andere Industriestaaten sehen darin jedoch eine Gefahr für die eigenen Märkte. Der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin sagte am Samstag im Deutschlandfunk, er wisse nicht, ob es gelingen werde, mit den USA zu einem Kompromiss zu kommen. "Es ist richtig und wichtig, die USA dabei zu haben, aber es kann auch nicht sein, dass ein Land, auch wenn es so ein wichtiges Land wie die USA ist, einen möglichen Konsens aller anderen Länder weiter blockiert." Bush Vater George Bush hatte sich 1992 als US-Präsident in letzter Minute für eine Teilnahme am Klimagipfel von Rio entschlossen. Damals hatte er zugestimmt, die für die Erderwärmung verantwortlichen Treibhausgase zu verringern. Sein Sohn hatte nach seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr die Abkehr von dem in Kyoto verabschiedeten Folgeabkommen betrieben, das eine konkrete Verringerung von Treibhausgasen zum Ziel hat. Bush Vorgänger Bill Clinton hatte dem Abkommen noch zugestimmt, während Bush es als schädlich für die US-Industrie bezeichnete. (APA/Reuters)