Bogota - In Kolumbien sind in der vierjährigen Amtszeit von Präsident Andres Pastrana von 1998 bis 2002 fast 13.000 Menschen verschleppt worden. Das geht aus einem am Samstag von der Zeitung "El Tiempo" in Bogota veröffentlichten Bericht der privaten Stiftung Pais Libre (Freies Land) hervor. Demnach wurden in diesem Zeitraum im Durchschnitt 8,5 Menschen am Tag entführt, die "höchste Zahl" in der Geschichte des südamerikanischen Landes. 1997 sei die Zahl der verschleppten Menschen im Tagesdurchschnitt unter vier gelegen. 1999, 2000 und 2001 habe es jeweils mehr als 3.000 Entführungen gegeben, mit dem Spitzenwert von 3708 im Jahr 2000. Für 2002 sei die Zahl der Entführungen zum Ende des Mandats von Pastrana bei 1734 gelegen. Hauptopfer sind dem Bericht zufolge Händler und Minderjährige, gefolgt von Angestellten, Beamten und Ingenieuren. Von den insgesamt 12.948 Verschleppten seien noch 3.958 in der Gewalt der Entführer. 552 starben laut Bericht während der Geiselnahme, 5.543 zahlten Lösegeld für ihre Freilassung, 183 gelang die Flucht und 2.335 wurden von den Behörden gerettet. Zu 377 Entführungsopfern gab es keine Informationen. Der Bericht bezeichnet die Schaffung der Vereinten Aktionsgruppen für die persönliche Freiheit (Gaula) von Armee und Polizei als eine der wenigen Erfolge der Regierung Pastrana in diesem Bereich. Die Aktionsgruppen hätten die Zahlung von Lösegeldern in Höhe von umgerechnet 106 Millionen Euro verhindert und 2.280 Entführer festgenommen. Dem Bericht zufolge hat die linksgerichtete Guerillagruppe Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) ihre Strategie geändert. Statt wie früher hauptsächlich Militärs und Polizisten zu verschleppen, sei sie zu "politischen Entführungen" übergegangen. In der Gewalt der FARC befinden unter anderem die frühere Kandidatin für die Nachfolge Pastranas, Ingrid Betancourt, fünf Parlamentarier und die früheren Minister für Verteidigung und Entwicklung, Gilberto Echeverri und Fernando Araujo. Pastranas Nachfolger Alvaro Uribe hat im Kampf gegen die Guerilla und ihre Entführungen ein hartes Vorgehen angekündigt. (APA)