Alpbach - Europa sollte nach Worten von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel die USA mit Fairness bewerten. "Die Amerikaner sind einfach präziser, genauer und treffsicherer in ihrer Analyse", sagte Schüssel am Sonntag in einer Rede beim Europäischen Forum Alpbach. Insbesondere kritisierte Schüssel Mängel der Europäer bei der Terrorismusbekämpfung. "Die Möglichkeiten etwa für einen Osama bin Laden ziemlich ungehindert in europäische Hauptstädten aufzutauchen und dort Fundraising zu betreiben, das ist schon etwas, was uns sehr nachdenklich machen sollte." Im Hinblick auf den Terrorismus sagte der Kanzler, man müsse "klar sehen, dass die Amerikaner stärker bedroht sind als Europa". Der Bundeskanzler führte dies auf das militärische und politische "Übergewicht" der USA weltweit zurück. "Daher ist (Iraks Staatschef, Anm.) Saddam Hussein natürlich auch für die Amerikaner weit gefährlicher als Bedrohung als etwa für die Europäer." Europa sei "ein eher zweitrangiges Ziel", fügte Schüssel hinzu. Für die Europäische Union sprach sich Schüssel für die Schaffung einer gemeinsamen und handlungsfähigen Außenpolitik aus. "Die europäische Außenpolitik muss vergemeinschaftet werden." Auch die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik müsse "glaubwürdig weiterentwickelt werden", sagte der Kanzler. Während die EU im Außenwirtschaftshandel "ein echter Akteur" geworden sei, so Schüssel, werde die europäische Außenpolitik derzeit im wesentlichen von den divergierenden nationalen Interessen der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten bestimmt. (APA)