Foto: Keltenmuseum Hallein
Foto: Keltenmuseum Hallein
Cowboys werden entweder durch die Hufe von Rinderherden oder durch die Filmmusik verraten; bei den Kelten besorgte dies das Geschnatter einer Gänseherde (387 v. Chr., beim etwas dilettantischen Versuch, Rom zu erobern). Akustisch ist im Keltenmuseum Hallein wenig los, man traut nicht ganz der modernen Museumspädagogik. Aber die kostbaren Objekte erziehen die Betrachter zum "Lesen, was nie geschrieben wurde" (Hofmannsthal): Spuren einer Vergangenheit, die nicht in Form von Sprache, sondern von bunten und geschichtlich gesättigten Zeichen auf uns gekommen ist: Amulette, Ringe, Krüge, Schnallen lassen die Mythologie aufsteigen und jede(n) selbst dichten (zwei wirkliche Dichter, H. C. Artmann und Joyce, generierten ihr Werk aus keltischer Kultur). Zum Beispiel Mode: Statt Sicherheitsnadeln hielten ziselierte Fibeln die Kleider zusammen (muss zuweilen auch erotisch gewesen sein; und auch leichter zu öffnen als heutzutage). Dazu Schmuck aus Glas, Perlen aus der Krain. Für den Winter Fellhauben, für Verwandtenbesuche Wein-Schnabelkannen. All dies gefunden in den Fürstengräbern der im fünften Jahrhundert v. Chr. reichen Salz-Städte Hallein und Hallstatt. Auch diese Grabhügel in Dürrnstein/Hallein kann man besuchen. Aber das eigentlich Verblüffende ist die Toleranz, mit der die fremde keltische Kultur in den Alpen aufgenommen worden war. Zwar reichte der keltische Einfluss von Frankreich bis nach Böhmen; in Hallein wurde die Kultur aber aus Interesse an Fremdem aufgenommen und mit südlichen und nördlichen Einflüssen durchsetzt. Das macht auch die Vielfalt im Detail der Halleiner Sammlung aus, den weiten Himmel, der in einer Kelten-Anekdote vorkommt: Alexander der Große fragte am Höhepunkt seiner Macht keltische Gesandte, wovor sie sich fürchteten. (Er erwartete: Nur vor dir, weiser Herrscher!). Antwort: Nur davor, dass der weite Himmel über uns einstürzt. Ist leider passiert. (rire/DER STANDARD, Printausgabe, 26.08.2002)