Innsbruck - Vor einer Nachlässigkeit beim Impfen gegen Hepatitis B warnt der Innsbrucker Hepatitis-Experte Univ.-Prof. Wolfgang Vogel. Grund dafür ist ein vermehrtes Auftreten von derartigen Fällen an der Universitätsklinik Innsbruck. Allein in den vergangenen drei Monaten habe es so viele Erkrankungen mit lebensbedrohlichen Verläufen gegeben, wie ansonsten in drei Jahren. Für eine Infizierte sei jede Hilfe zu spät gekommen.Gefahr für Frauen Bei einer anderen Patientin habe noch rechtzeitig eine Lebertransplantation durchgeführt werden können und eine dritte Betroffene sei durch konservative Methoden geheilt worden, erklärte der Leiter der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie. Zu den (Todes)-Opfern zählen heutzutage vor allem jüngere Frauen ab 18 Jahren. Angesteckt würden sie vor allem durch Geschlechtsverkehr. "Hepatitis B-Infektionen sollten in unserer Zeit gar nicht mehr vorkommen, da sich jeder problemlos durch eine Impfung aktiv dagegen schützen kann", betonte Vogel. Hepatitis B ist eine Virusinfektion, die wie auch Hepatitis C, eine Leberentzündung hervorrufen und im Endstadium mit einer lebensbedrohenden Leberzirrhose (Schrumpfleber) enden kann. Viren im Sperma Übertragen wird Hepatitis B durch Körperflüssigkeiten. Vor allem der männliche Samen enthalte eine extrem hohe Virusanzahl, erklärte der Wissenschafter. Beim Sexualakt werde stets die Frau vom Mann angesteckt. In diesen Fällen komme es bei den Betroffenen "schlagartig - innerhalb von zwei bis vier Wochen" - zu einer Zerstörung der Leber. Da sich meist nur schwache Symptome zeigen (leicht grippeartiges Gefühl, Müdigkeit, Gelbfärbung der Haut) sei die Gefahr "sehr groß", dass es dann für eine Behandlung - auch für eine Lebertransplantation - zu spät ist. Werden derartige Fälle bekannt, so stünden sie ganz oben auf der Prioritätenliste für OrganempfängerInnen (innerhalb von zwei Tagen). Schutzimpfung im Teenageralter Ansonsten breite sich das Virus langsam (wie auch Hepatitis C) oft über Jahrzehnte hin aus. Es sei kaum lebensbedrohlich, da die Chancen gut stünden, es irgendwann, z.B. bei einer Blutspende, zu entdecken. Mit der Immunisierung gegen Hepatitis B werde bereits bei Neugeborenen begonnen. Spätestens aber im Teenageralter soll eine Schutzimpfung durchgeführt werden, empfiehlt Vogel. Übertragungswege der Hepatitis C nicht klar Nicht geimpft werden kann gegen Hepatitis C. Ein aktiver Schutz stehe in absehbarer Zeit auch nicht in Aussicht. Hier kämpfe die Wissenschaft mit einem ähnlichen Problem wie bei Aids, wo das Virus ebenfalls instabil sei. Bei einem äußerst geringen Prozentsatz der Hepatitis C-Infizierten könnten sich auch ExpertInnen nicht erklären, wie sich die Betroffenen angesteckt hätten. Es müsse demnach noch einen unbekannten Übertragungsweg geben, wies Vogel auf offene Fragen hin. Positiv sei jedenfalls, dass die Verbreitung von Hepatitis C im Abnehmen sei. Jene Fälle, bei denen die Infektion gegenwärtig auftritt, seien zumeist "Altlasten", die in der Vergangenheit vor zehn oder 20 Jahren, durch infiziertes Blut bzw. Blutprodukte verursacht worden seien. Heute würden dies sowie auch mögliche Übertragungswege im zwischenmenschlichen Bereich - etwa durch Geschlechtsverkehr, Geburt oder Stillen - kaum eine Rolle mehr spielen. Die derzeit noch bestehende "Hauptquelle" liege im Drogenmilieu, begründet durch das Hantieren mit gebrauchten Nadeln. Schleichende Infektion Da sich eine Ansteckung mit Hepatitis C, wie auch mit B, oft erst nach Jahrzehnten bemerkbar macht, kann es sein, dass sich jemand in Jugendjahren durch eine gebrauchte Spritze angesteckt hat und nichts davon weiß. Dramatische Verläufe seien dabei im Allgemeinen nicht zu befürchten. Gefährlicher sei hingegen eine Infektion mit zunehmendem Alter. Hier könne es vorkommen, dass ein mit 30 Jahren Infizierter nach 15 Jahren "am Ende seiner Lebererkrankung steht", wies Vogel hin. Impfen empfohlen Von den insgesamt sechs bekannten Hepatitis-Viren kommen in Zentraleuropa vor allem A, B und C vor. A gilt als eher "harmloses Urlaubsmitbringsel", das kaum lebensbedrohliche Ausmaße annimmt, führte Vogel aus. Diese so genannte "Schmier- und Schmutzinfektion" wird meist bei unzureichenden hygienischen Zuständen durch Wasser oder Nahrungsmittel aufgeschnappt. Gegen A und B kann geimpft werden. Auch wenn eine Auffrischung der Impfung verabsäumt werde, sei im Falle einer Infektion eine einmal immunisierte Person "besser dran", als jemand, die/der sich noch nie aktiv geschützt habe. (APA)