Venedig - Die 59. Filmfestspiele in Venedig beginnen am Donnerstag (29.8.) unter einem Schwall von Polemik. Für Eklat sorgten die Aussagen des neuen Direktors Moritz de Hadeln, wonach der Wettbewerb in der Lagunenstadt international stark an Bedeutung verloren habe und vom Niedergang bedroht sei. Der "Goldene Löwe" zähle nichts mehr auf dem Markt, hätten ihm US-Filmvertreiber gesagt. Der Preis sei zu oft nach esoterischen Kriterien verliehen worden, sagte der Schweizer am Wochenende. Er kritisierte auch die bürokratische Organisation des Festivals.Auszeichnung müsse auch Publikum anlocken "Wie alle wichtigen Preise darf der 'Goldene Löwe' nicht nur einen Regisseur oder eine Produktion fördern, er muss auch das Publikum ins Kino locken", betonte de Hadeln. Kritik erntete das Filmfestival in Venedig auch vom italienischen Starregisseur Franco Zeffirelli. "Venedig ist zum Schaufester für indische und iranische Filme geworden", kritisierte der Filmemacher. Sgarbi: "Der 'Goldene Löwe' hat an Glanz verloren" De Hadelns Ansichten teilt der Ex-Staatssekretär im italienischen Kunstministerium, Vittorio Sgarbi. "De Hadeln hat vollkommen recht. Der 'Goldene Löwe' hat an Glanz verloren, weil er kein internationales Gewicht mehr hat. Die Filme, die vorgestellt werden, gefallen im Ausland nicht. Sie gefallen vor allem den Amerikanern nicht. Etwas ist nicht in Ordnung. Es handelt sich um Filme, die trotz ihres Wertes keinen Erfolg haben", betonte Sgarbi. Die Beschlüsse der Jury könnten dem Filmfestival neuen Wert und Würde verleihen, sagte Sgarbi, ein angesehener und umstrittener Kunstexperte. De Hadeln-Vorgänger Rondi wundert sich De Hadeln, der nur gerade vier Monate Zeit hatte, um das Festival in Venedig vorzubereiten, erntete Kritik von seinem Vorgänger Gian Luigi Rondi. "Ich bin über de Hadelns Worte verblüfft. Ich begreife nicht, wie er ein Filmfestival leiten kann, wenn er kein Vertrauen in seine Mitarbeiter hat. Ich teile de Hadelns Skepsis über die Zukunft des Festivals nicht", so Rondi. In den vergangenen Jahren hätten oft Filme Preise erhalten, die keinen Erfolg beim Publikum geerntet haben. Dies sei aber nicht immer der Fall gewesen. "Ich verstehen nicht, warum man unbedingt den Preis mit dem Erfolg in den Kinosälen verbinden muss", so Rondi. (APA)