Prag - Nach der Jahrhundertflut ist die Lage in dem tschechischen Chemiewerk Spolana Neratovice an der Elbe nach Angaben von Innenminister Stanislav Gross "relativ unter Kontrolle". Der Transport von Chlor aus einem hochwassergeschädigten Depot in ein neues Lager werde von Experten der Feuerwehr genau überwacht, sagte der Politiker am Dienstag im Radio. Damit solle verhindert werden, dass erneut gefährliches Chlorgas austrete. Nach Angaben des Unipetrol-Konzerns, zu dem Spolana gehört, dauert der Transport des Chlors noch etwa vier Tage. Am Montag wurde die Leitung des Werks abgelöst. Der Unipetrol-Vorsitzende Pavel Svarc wies am Dienstag Vorwürfe der Umweltschutzorganisation Greenpeace zurück, wonach bei dem katastrophalen Hochwasser Dioxin und Quecksilber in die nach Sachsen fließende Elbe gespült worden seien. Aufnahmen von Sicherheitskameras würden klar zeigen, dass die betreffenden Gebäude nicht überschwemmt worden seien, sagte Svarc. Er räumte ein, dass die am Montag abgelöste Leitung von Spolana in den vergangenen Monaten "Fehler in der Kommunikation" begangen habe. Man werde in Zukunft das Gespräch "auch mit solchen Gruppen suchen, die wie Greenpeace einen aggressiven Stil" hätten, versprach der Unipetrol-Chef. Bei dem Wechsel der Spolana-Leitung habe es aber keinerlei politischen Druck gegeben. Nach Angaben des tschechischen Außenministeriums wird am Donnerstag der für die Erweiterung der EU zuständige Kommissar Günter Verheugen in Prag Gespräche über die Folgen des verheerenden Hochwassers führen. Verheugen wolle auch das besonders vom Hochwasser betroffene Viertel Prag-Karlin besuchen, in das immer noch viele Bewohner nicht zurückkehren dürfen. Schon 16 Tote Der Direktor des Chemiewerks wurde mittlerweile wegen der Zwischenfälle entlassen, die Regierung ordnete am Samstag eine Untersuchung der Vorfälle an. Dem Unternehmen sind Schäden in Höhe von mehr als einer Milliarde Kronen (32,7 Mill. Euro) entstanden. Nach dem Abfließen des Hochwassers sind die Leichen von zwei weiteren Opfern gefunden worden. Damit ist die Zahl der Toten durch die Überschwemmungen in den vergangenen Wochen auf mindestens 16 gestiegen. Ein 52-Jähriger und ein 46-Jähriger, die seit Tagen vermisst worden waren, seien in einem nordböhmischen Nebenfluss der Elbe ertrunken, teilte die Polizei am Montag in Prag mit.(APA)