Die Bild-Zeitung lieferte am Tag nach dem Fernsehduell der Kanzlerkandidaten die entscheidenden Daten: Gleich zweimal habe sich Edmund Stoiber am Ohr gekratzt - doppelt so oft wie Gerhard Schröder, was als Zeichen für Nervosität zu interpretieren sei. Des Weiteren stünden den 147 "äh's" des Unionskandidaten nur 65 "sprachliche Ticks" des Bundeskanzlers gegenüber. Beide hätten aber denselben "Schweißfaktor" gehabt: "Schröder: leicht. Stoiber: leicht."Weil sich die Frage nach "Sieger" oder "Verlierer" nun nicht klar beantworten lässt, empfiehlt sich ein Blick auf die Inszenierer: Der Blamage fehlender, wenn auch nicht erwartbarer, eindeutiger Ergebnisse versuchte man mit Analysen und Diskussionen zu entgehen. Während Sat.1, RTL und ARD (Sabine Christiansen) weiter Wahlkampf betrieben, gelang einzig Bodo H. Hauser und Ulrich Kienzle (ZDF) eine kritisch-distanzierte Nachbetrachtung. Kommunikations- und Politikwissenschafter charakterisierten die der Begegnung zugeschriebene Wirkung als "überbewertet", eine Eventmanagerin staunte: "Die haben sich kein einziges Mal in die Augen geschaut." Helmut Markwort betonte, sein Medium Focus sei "faktenorientiert" - damit gab es sogar noch etwas zu lachen. Markworts Prognose freilich, die in zwei Wochen auszutragende nächste Begegnung (ARD und ZDF) werde ob der langweiligen Performance sowohl der Kontrahenten als auch der Fragesteller kaum den Quotenerfolg wiederholen, wurde zuletzt aber doch lieber überhört. (prie/DER STANDARD, Printausgabe vom 27. 8. 2002)