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In Bosnien-Herzegowina sind derzeit etwa 1.500 Mann der UNMIBH stationiert, 46 davon US-Amerikaner.
Grafik: APA
Sie kamen nach Bosnien, um zu helfen, doch nun stehen sie unter schlimmem Verdacht: Der Beihilfe zum Frauenhandel sollen sich zwei Mitarbeiter von USAID, der größten US-Hilfsorganisation, schuldig gemacht haben. Während die bosnischen Justizbehörden den Fall rasch für erledigt erklärten, verwies die US-Botschaft in Sarajewo ihre Staatsbürger des Landes. Das war vor über einem Jahr. Aufgeklärt ist das Ausmaß der Verwicklung der beiden Entwicklungshelfer in Prostitution und Frauenhandel allerdings bis heute nicht. Anfang der Woche weitete sich der Verdacht noch auf weitere Angehörige der internationalen Gemeinschaft aus: Angestellte der UN-Mission in Bosnien-Herzegowina (UNMIBH) hätten Informationen über das Fehlverhalten von Kollegen zu lange geheim gehalten, berichtete die Londoner Sunday Times. Eine Anschuldigung, die UNMIBH-Sprecher Alan Roberts strikt zurückweist. Doch den Verdacht, stärker vom Sexgeschäft zu profitieren, als offiziell eingeräumt wird, kann Roberts nicht entkräften. 18 Beamte der 1600 Mann starken Internationalen Polizeitruppe (IPTF) wurden in den vergangenen beiden Jahren wegen Verstößen gegen den UN-Verhaltendskodex frühzeitig nach Hause geschickt. Da die ausländischen Polizisten Immunität genießen und das Vorgehen der Justizbehörden in den Herkunftsländern eher lax ist, bleibt es meist beim Verweis. Kein Einfluss "Auf die Maßnahmen der Behörden in den UNO-Mitgliedsstaaten haben wir keinen Einfluss", klagt Roberts. Machtlos gegenüber steht die UNMIBH deshalb auch der Entscheidung der EU, die Internationale Polizeitruppe ab Januar mit nur noch 500 Mann fortzuführen. Ein gutes Licht auf die den Kampf gegen das organisierte Verbrechen stets im Munde führenden Beamten wirft das nicht: Denn mit dem EU-Beschluss zur Reduzierung der Truppe steht das renommierteste Projekt im Kampf gegen den Handel mit Frauen aus Moldawien, der Ukraine und Rumänien vor dem Aus ( die Standard.at berichtete). "Stop" heißt die Sondereinheit, die 2001 1847 Frauen aus Bordellen befreien konnte. Bei mehr als 600 Razzien wurden 100 Nachtklubs geschlossen und 56 Barbesitzer verhaftet. (D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 27.8. 2002)