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Cheney: "Die USA liefern sich nicht der Gnade von Terroristen oder terroristischen Regimes aus."

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Mit schweren rhetorischen Geschützen gegen den Irak will Vizepräsident Dick Cheney Kritikern von Präsident George W. Bush den Wind aus den Segeln nehmen: Für ihn bestünden "keine Zweifel", dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen nicht nur besitze, sondern diese Waffen auch gegen die Vereinigten Staaten einsetzen wolle.

"Das Risiko des Nichthandelns ist um vieles größer als das Risiko des Handelns", erklärte Cheney vor einer Gruppe von Kriegsveteranen in Nashville, Tennessee. Und mit einer trotzigen Geste gegen den Großteil der westlichen Welt, die Bushs Irak-Politik - noch- nicht unterstützt, meinte Cheney: "Die ganze Welt soll wissen, dass wir jede Aktion setzen werden, die notwendig ist, um unsere Freiheit und Sicherheit zu sichern."

Ende der Sommerpause

Mehr als eine Woche vor Ende der Sommerpause des US-Kongresses lässt Cheney die Mitglieder von Senat und Repräsentantenhaus zwischen den Zeilen wissen, dass die Bush-Regierung notfalls auch zu einer militärischen Aktion bereit ist, ohne diese vorher vom Kongress absegnen zu lassen. Aus dem Weißen Haus verlautet nämlich gleichzeitig, dass Bush einen Angriff auch ohne Kongressbeschluss starten könnte, ohne damit gegen die Verfassung zu verstoßen. Die Kritiker der Irak-Politik des Präsidenten kamen während der letzten Zeit auch aus prominenten republikanischen Reihen - so warnte etwa der ehemalige US-Außenminister James Baker erst vor kurzem vor einer unilateralen Aktion gegen den Irak.

Auch hochrangige republikanische Kongressabgeordnete, etwa der durch das Impeachment gegen Bill Clinton bekannt gewordene Henry Hyde, befürchten, dass "jeder Politik, die der Präsident ohne den Auftrag des Volkes unternimmt, kein langfristiger Erfolg beschieden ist". Der republikanische Senator Chuck Hagel, ein Mitglied des Außenausschusses, bläst in das gleiche Horn: "Wenn der Präsident diese Nation in einen Krieg verwickeln will, dann tut er gut daran, zuerst die Unterstützung des Kongresses und des amerikanischen Volkes einzuholen."

Bush selbst traf Dienstag mit dem saudi-arabischen Botschafter, Prinz Bandar Bin Sultan, auf seiner Ranch in Texas zusammen. Das als "freundschaftliche Zusammenkunft" angekündigte Treffen sollte die Bindung zwischen den beiden Alliierten betonen - trotz der in letzter Zeit innerhalb des Weißen Hauses geäußerten Kritik, Saudi-Arabien unterstütze den Terrorismus. Das US-Verteidigungsministerium hat unterdessen darauf hingewiesen, dass mehr als 14.000 Reservisten möglicherweise mit einer längeren Einberufung rechnen müssten. Von US-Medien wurde das als weiterer Schritt im Sinne einer möglichen Militäraktion gegen den Irak interpretiert. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.8.2002)