Belgrad - Die serbische Regierungskoalition DOS (Demokratische Opposition Serbiens) bröckelt nach dem Ausschluss des größten Bündnispartners, der Demokratischen Partei Serbiens von Vojislav Kostunica aus der Koalition Ende Juli, weiter ab. Drei weitere Parteien, das Demokratische Zentrum, die Neue Demokratie und die Demokratische Allianz haben sich nun dafür entschlossen, bei der serbischen Präsidentschaftswahl am 29. September ihre eigenen Kandidaten zu stellen. Die Führung der drei Parteien, die im Rahmen von DOS als Koalition DAN wirken, hat die Präsidentschaftskandidatur des jugoslawischem Parlamentspräsidenten Dragoljub Micunovic unterstützt. Micunovic selbst soll bis zum Wochenende entscheiden, ob er für das Präsidentenamt kandidieren will. Der Führer des Demokratischen Zentrums hatte vor fünf Jahren bereits an der serbischen Präsidentschaftswahl teilgenommen und damals gerade 100.000 Wählerstimmen für sich gesichert. Die Entscheidung der Koalition wird daher viel mehr als ein Widerstand gegen die autokratische und häufig eigenwillige Koalitionsführung des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic verstanden. Die DOS-Führung hatte vor zehn Tagen den jugoslawischen Vizeministerpräsidenten Miroljub Labus als ihren Präsidentschaftskandidaten unterstützt. Die DAN-Parteien hatten die Kandidatur nicht unterstützt. Micunovic ließ wissen, dass die drei DOS-Parteien höchst wahrscheinlich Kostunica ihre Unterstützung geben würden, würde er selbst nicht für das Präsidentenamt kandidieren. Labus ringt um das Präsidentenposten offiziell als Kandidat einer Bürgergruppe, er ist allerdings weiterhin Spitzenfunktionär der Demokratischen Partei von Djindjic. Der serbische Ministerpräsident dürfte sich in einer schwierigen Situation sehen, würde er die ungehorsamen Bündnispartner bestrafen wollen. Die Führer der drei Parteien, Dragoljub Micunovic, der serbische Vizeministerpräsident Nebojsa Covic und Innenminister Dusan Mihajlovic, bekleiden wichtige Posten. Ihre Parteien sind auch für die Wahrung der DOS-Parlamentsmehrheit von Bedeutung. "Wir sind nicht daran schuld, dass das DOS-Bündnis seine Lebenskraft nicht auf vier Jahre verlängern konnte", sagte Covic für den Sender "B-92". Auch sei die DAN-Koalition nicht diejenige, die als erste eine Einigung oder Absprache innerhalb des Regierungsbündnisses verletzt habe, meinte er. Die Entscheidung des DAN-Bündnisses wird das serbische Regierungsbündnis weiter schwächen und eine vorgezogene Parlamentswahl, die Djindjic vermeiden will, nach der Präsidentschaftswahl realer machen. Präsident Kostunica hat bereits erklärt, dass er sich für die Wahlausschreibung einsetzen würde, falls er die Präsidentschaftswahl in Serbien gewänne. (APA)