Wien - Positiv bewerten Analysten die am Dienstag vorgelegten Halbjahreszahlen der Telekom Austria (TA). Vor allem beim Ergebnis hat die TA die Analystenerwartungen klar übertroffen. Nach einem Nettogewinn der TA-AG von 54,4 Mill. Euro im ersten Halbjahr 2002 rechnen die Fachleute bei Bank Austria-Creditanstalt (BA-CA), Raiffeisen Centrobank (RCB) und Erste Bank einhellig mit einem Jahresüberschuss im Gesamtjahr 2002. Erste Bank-Analyst Konrad Sveceny erwartet im heurigen Jahr einen Nettogewinn von mindestens 78 Mill. Euro. RCB-Analystin Margit Moritz schließt sogar eine Dividende für 2002 nicht aus. Die TA selbst hielt am Dienstag allerdings auf APA-Anfrage an ihrer Prognose fest, erst für 2003 eine Dividende ausschütten zu wollen. Prognosen zum Jahresüberschuss wollte das Unternehmen nicht abgeben. Auf dem Weg zum stabilen Dividendenpapier "Die Telekom Austria befindet sich auch Weg vom Turn-around-Kandidaten zum stabilen Dividendenpapier. Diese Entwicklung hat sich mit dem ersten Halbjahr bestätigt", sagte Sveceny am Dienstag zur APA. Nach Einschätzung der Erste Bank könnte für 2003 eine Dividende von rund 14 Cent je Aktie ausgegeben werden, was einer Dividendenrendite von 1,6 Prozent entspräche. Angesichts dessen haben am Dienstag alle Analysten ihre Prognosen für den Verlauf des Aktienkurses bestätigt. Die BA-CA sieht das Kursziel bei 11,40 Euro, die Erste Bank ist etwas vorsichtiger - ihr Kursziel: 9,80 Euro. Dienstagmittag (13 Uhr) notierte die TA-Aktie bei 8,56 Euro, 0,70 Prozent unter dem Vortageskurs. Unsicherheitsfaktor Telecom Italia Großer Unsicherheitsfaktor bleibt laut Sveceny ein möglicher zweiter Börsegang der Telecom Italia (TI), die gemäß Vereinbarung mit der ÖIAG bereits bis Jahresende 75 Millionen Aktien (15 Prozent) und im kommenden Jahr den Rest ihres derzeit noch 29,8-prozentigen TA-Anteils an die Börse bringen will. "Das schreckt einige Käufer ab und drückt daher auf den Kurs", so der Erste Bank-Analyst. Von den Fundamentaldaten des Unternehmen gaben sich die Beobachter aber überzeugt. Als besonders gut beurteilen die Analysten vor allem die Entwicklung im Mobilfunk. Positiv bewertet werden vor allem Umsatz- und Ergebnissteigerungen bei den Auslandstöchtern si.mobil und VIPnet, aber auch eine starke positive Ergebnisentwicklung und eine Verbesserung des Pro-Kopf-Umsatzes (Average Revenue per User - ARPU) im Inlandsgeschäft. Bei der RCB, wo man zuletzt für das zweite Halbjahr mit einem starken Abschwung im Mobilfunkgeschäft gerechnet habe, werde man nun die Prognosen voraussichtlich nach oben revidieren, so Moritz. Kosteneinsparungen schlagen sich durch Positiv bewerten die Analysten auch die Entwicklung im Festnetzbereich und da vor allem die Rückgewinne von Marktanteilen im zweiten Quartal. Auch auf Minutenbasis seien die Rückgänge im ersten Halbjahr gestoppt worden. Diese Trendumkehr sollte sich mittelfristig auch im Festnetzumsatz niederschlagen, prognostiziert Sveceny. Insgesamt beginnen sich die Kosteneinsparungen bei der TA langsam auf die Ergebnisse durchzuschlagen. "Die Ergebnisse sind mit der Markterwartung in Line", meint BA-CA-Analyst Peter Breyer. Die großen Zuwächse im Betriebsergebnis (EBIT) seien aber vor allem auf große Abschreibungen auf die tschechische Internettochter Czech Online im ersten Halbjahr 2001 zurückzuführen, betonte Breyer.(APA)