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APA/dpa/Kay Nietfeld
Wurstpapier ist was Superes: Vom Design her meistens absolut off-off, beziehungsweise als Betätigungsfeld von Designern noch nicht erkannt, haptisch angenehm und aufgrund der einseitigen Beschichtung mit irgendwelchen großartigen Kunststoffen tatsächlich dazu geeignet, die fettige Wurst in ihrer Fettigkeit von der Umwelt abzuschirmen. Das einerseits, andererseits ist es natürlich auch extrem lustbetont und an Spontaneität ja kaum noch zu übertreffen, die Wurst oder den Schinken gleich direkt aus dem Papierl zu fressen. Bei manchen Sorten gehört das sogar gewissermaßen zur artentypischen Konsumkultur, wenn wir da zum Beispiel an die Mortadella denken, so hauchdünn geschnitten, dass eine Manipulation sowieso nicht möglich ist, und der Haufen köstlichen Bräts daher gleich im Papierl auf den Tisch kommt (wobei die italienischen Wurstpapiere irgendwie noch um ein Eck besser sind als unsere). So weit, so großartig, nur ist ­ bei allem zuvor schon gezollten Respekt dem Produkt gegenüber ­ das Wurstpapier weder aus seltenem Material hergestellt, noch muss es weit angeliefert werden, und schon gar nicht steckt mühevolle Handarbeit oder kostenintensive Lagerung dahinter. Und da frage ich mich dann, warum ich für das Papier eigentlich genauso viel bezahle wie für den zarten Beinschinken, die getrüffelte Salami aus Greve oder das luftgetrocknete Bein des schwarzen Iberico-Schweins, von dem die zehn Deka ja so um zwölf Euro gehandelt werden. Fragt man nach, erfährt man, dass dieses Verfahren überhaupt nur in Österreich toleriert wird und in jedem anderen Land zu Aufständen und Betrugsverfahren führen würde. Denn wenn man nachwiegt, wird man feststellen, dass so ein Wurstpapier schnell einmal zehn Gramm wiegt, also ein Zehntel der gerne und oft georderten zehn Deka. Und eigentlich geht einem da das Geimpfte auf beim Gedanken, wie viel Geld man im Laufe seines Lebens schon völlig ungerechtfertigt bezahlt hat.­ Unsummen! Was also tun? Möglichkeiten wären folgende: Die Waage wird so eingestellt, dass die zehn Gramm Papier automatisch abgezogen und der Preis des Verpackungspapiers aufgeschlagen werden ­ was eigentlich kein Problem sein dürfte. Oder in der Edel-Variante, wie es etwa beim Schwarzen Kameel gehandhabt wird, wo auf die Waage nur so ein nahezu gewichtsfreies Plastik gelegt wird (0,25 g pro Stück), und Ware sowie Plastik-Abdeckungen dann auf ein Pappendeckel-Tatzerl und mit Papier verpackt werden. Das ist appetitlich und macht was her, kostet in Sachen Material und Manipulation freilich sein Geld und das soll ja durchaus auch aufgeschlagen werden. Aber halt fair, und nicht so, wie wenn ich Salami in Salami hüllen würde. Da jetzt die Wurstschneiderinnen beim Billa zur Rede zu stellen, ist aber wahrscheinlich nicht der richtige Weg. Aber wenn dem Konsumentenschutzverein oder der Arbeiterkammer das sommerliche Zählen von Keimen im fertig abgepackten Faschierten einmal zu fad werden sollte, wär das ja einmal eine heitere Abwechslung, oder?