Essen - Am kommenden Samstag hebt sich der imaginäre Vorhang für die erste Ruhrtriennale. Das Festival, das europäischen Rang erwerben und gleichzeitig den Strukturwandel im Revier kräftig vorantreiben soll, und das Größen wie Isabelle Adjani und Patrice Chéreau in das Ruhrgebiet holt, markiert einen Wendepunkt.

Die traditionellen Ruhrfestspiele, ursprünglich der Dank der Kulturschaffenden an die Kumpel für warme Theatersäle nach dem Kriegsende, gehen auf in einem Festival, das nach dem Niedergang von Kohle und Stahl die Industriedenkmäler zu renommierten Spielstätten wandeln soll. Für das ehrgeizige Projekt hat die Landesregierung zunächst bis 2004 rund 41 Millionen Euro öffentlicher Mittel mobilisiert und Gerard Mortier verpflichtet, der zuvor zehn Jahre lang Intendant der Salzburger Festspiele war.

Mortier will in den kommenden drei Jahren mehr als 70 Inszenierungen, Ausstellungen und Konzerte auf die Bühne der 14 Spielorte zwischen Hamm und Duisburg bringen. Rund 50 Millionen Euro steckt die Landesregierung zudem in die Ausgestaltung der ehemaligen Maschinen- und Lagerhallen.

Den Spannungsbogen der ersten Triennale wird das Thema "Nachdenken über Deutschland" bilden. So soll die Eröffnung am kommenden Samstag mit Deutschland, Deine Lieder die wechselhafte Geschichte Deutschlands als Liederabend Revue passieren lassen. Weitere Highlights des ersten Zyklus werden Franz Schuberts Winterreise (Regie: Oliver Herrmann) und die Schöne Müllerin (Regie: Christoph Marthaler).

Mit der Preispolitik knüpft die Triennale wiederum bei den Ruhrfestspielen an. Günstige Kartenpreise sollen ein möglichst breites Publikum in die Aufführungen locken. So wird jeweils ein Viertel der Karten für jede Vorstellung zum Preis von zehn Euro angeboten. Dennoch waren eine Woche vor Beginn des ersten Zyklus erst 40 Prozent der Eintrittskarten verkauft. (APA/DER STANDARD; Printausgabe, 28.08.2002)