Düsseldorf/Bonn/London - Im Kampf um die Spitzenstellung auf Europas Telekom-Markt bereiten sich die Kontrahenten offensichtlich auf die nächsten milliardenschweren Übernahmeschlachten vor. Im Mittelpunkt der Spekulationen stehen erneut die deutschen Konkurrenten Deutsche Telekom und Mannesmann. Nach einem Zeitungsbericht vom Donnerstag läuft Mannesmann Gefahr, vom weltgrößten Mobilfunkanbieter Vodafone Airtouch für 100 Mrd. US-Dollar (96,1 Mrd. Euro/1.322 Mrd. S) geschluckt zu werden. Zudem wurden Spekulationen laut, die Deutsche Telekom sehe sich auf dem französischen Mobilfunk-Markt um. British Telecom plant angeblich, sein Engagement im deutschsprachigen Raum zu verstärken. Nach Informationen des "Wall Street Journal" könnte Vodafone schon in der kommenden Woche sein Angebot auf den Tisch legen. Für Vodafone dränge die Zeit, da der Düsseldorfer Konzern nach der britischen Mobilfunkgesellschaft Orange plc weitere Firmen kaufen und damit ein zu großer Brocken werden könnte. Ob Vodafone tatsächlich für Mannesmann biete, ist nach den Informationen noch nicht fest entschieden. Am Mittwoch habe Vodafone aber seine Vorbereitungen intensiviert. Vodafone befürchte ferner, die US-Konkurrenten SBC Communications und MCI WorldCom könnten ihrerseits versuchen, Mannesmann zu schlucken, schrieb die US-Zeitung. Darüber hinaus sehe sich Vodafone mit dem Kauf von Orange durch Mannesmann auf seinem Heimatmarkt herausgefordert: Der deutsche Konzern will das Unternehmen mit 3,5 Mill. Kunden für 66 Mrd. DM (33,7 Mrd. Euro/464 Mrd. S), einschließlich Schulden, erwerben. Bis zum 22. November muss sich Mannesmann 50 Prozent der Orange-Aktien gesichert haben, am Donnerstag seien es schon 44,86 Prozent gewesen. Diese Entwicklungen und die Zwischenergebnisse beflügelten auch am Donnerstag die Mannesmann-Aktie, die am Nachmittag um 40 Cent auf 174,15 Euro zulegte. Der Umsatz von Mannesmann stieg in den ersten neun Monaten 1999 um 16 Prozent auf 16,1 Mrd. Euro (222 Mrd. S). Angaben zur Ertragslage machte der Konzern wegen seines laufenden Übernahmeangebotes für Orange nicht. In Paris hielten sich Spekulationen über einen Einstieg der Deutschen Telekom AG (Bonn) beim drittgrößten französischen Mobilfunkanbieter Bouygues Telecom. Die Aktie der Muttergesellschaft Bouygues SA war am Mittwoch in Paris um 13,15 Prozent auf 402,80 Euro gestiegen, gab aber am Donnerstag um 3,50 auf 399,30 Euro nach. Am selben Tag schrieb die Pariser Zeitung "Le Figaro", Bouygues habe Verkaufsabsichten dementiert. Bouygues SA hält an der Telefonfirma 53,7 Prozent. Weitere Anteilseigner sind Veba, Telecom Italia, JC Decaux, Paribas und BNP Banexi. Andere Medienberichte brachten auch Vodafone als Interessenten ins Gespräch. Die "Financial Times" zitierte einen Analysten der Credit Lyonnais Securities mit den Worten, auf Basis des Mannesmann-Preises für Orange, sei Bouygues Telecom 18,9 Mrd. Euro wert. "Nach dem Scheiten der Zusammenarbeit mit France Telecom ist das Unternehmen ein natürlicher Kaufkandidat der Telekom", urteilte Frank Wellendorf, Analyst der WestLB Panmure, in Düsseldorf. Den französischen Markt könne das Unternehmen nicht links liegen lassen und mit einem solchen Schritt auf ihm Fuß fassen. Die British Telecom (BT) will nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Financial Times" stärker in den deutschsprachigen Raum vordringen und sich mit fünfzig Prozent in dem neuen Gemeinschaftsunternehmen des deutschen Partners Viag, der Viag Telecom, engagieren. Da in dieser Holding nicht nur die bisherige Viag Interkom, sondern auch der 20-prozentige Anteil der Viag an Connect Austria und der Anteil an Orange Switzerland (42,5 Prozent) gehalten werden sollen, wäre BT deutlich stärker als bisher auf den Märkten Österreichs und der Schweiz vertreten. BT hält bisher schon 45 Prozent an der Viag Interkom, weitere 45 Prozent liegen bei der Viag AG und zehn Prozent bei der norwegischen Telenor. (APA/dpa)