München – ifo-Chef Hans-Werner Sinn hat angesichts der schlechten Stimmung in der deutschen Wirtschaft die geplante Verschiebung der Steuerreform zur Finanzierung der Hochwasser-Folgen kritisiert. "Der Aufschwung scheint unterbrochen zu sein, und man muss froh sein, wenn die Konjunktur nicht abschmiert", erklärte Sinn am Donnerstag in München. Besser sei es in dieser Situation, zunächst die Option der Staatsverschuldung zu wählen. Wenn sich die Konjunktur stabilisiere, müssten dann Ausgabenkürzungen durchgesetzt werden.

Am Vortag hatte das ifo Institut den Geschäftsklima-Index für den Monat August bekannt gegeben. Das viel beachtete Konjunkturbarometer sank zum dritten Mal in Folge. Dies gilt bei Experten als Signal für eine Trendwende nach unten. Steuererhöhungen auch in Form aufgeschobener Steuersenkungen seien daher der falsche Weg, sagte Sinn. "An einer Politik der Senkung der Abgabenquote führt unter diesen Umständen auch dann kein Weg vorbei, wenn eine Naturkatastrophe bewältigt werden muss."

Langfristig am besten sei die Kürzung von Staatsausgaben, sagte Sinn. "Die Sozialausgaben gehören genauso auf den Prüfstand wie die staatlichen Subventionen an die Unternehmen, die in der Größenordnung von 100 bis 150 Mrd. Euro anzusetzen sind." Nach Sinns Einschätzung ließe sich auf diesem Weg durch lineare Kürzungen leicht Geld frei machen. (APA)