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Wien - Die hoch komplizierten künstlichen Herzpumpen sollen Emotionen bekommen: Wissenschafter arbeiten auch in Wien an einer physiologischen Steuerung der Geräte. Das erklärten Wiener Wissenschafter bei einer Pressekonferenz am Wiener AKH aus Anlass der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Künstliche Organe (ESAO - 28. bis 31. August). Der ESAO-Kongress laut Organisator Univ.-Prof. Dr. Udo Losert, Leiter des Instituts für Biomedizinische Forschung der Universität Wien: "Durch den Kongress ziehen sich vier 'Fäden' durch: Herz und Kunstherz, Niere und Leber, Biomaterialien und Tissue Engineering. Wir haben rund 500 angemeldete Teilnehmer aus 39 Ländern." Der Begriff "künstliche Organe" umfasst von Gelenks-Implataten über die Dialyse (Nierenersatz) bis hin zur Stammzell-Technologie praktisch alles, was in der Medizin zum ganzen oder teilweisen Ersatz ausgefallener Organfunktionen getan werden kann. Der derzeitige Leitspruch: "Bridging to Regeneration", also Systeme als Überbrückungshilfen. Kunstleber Beim Organersatz - zeitweilig, zur Überbrückung bis zur Regeneration oder bis zu einer Transplantation - steht weiterhin die "Kunstleber" ganz oben auf der Prioritätenliste der Wissenschafter. Ein Team samt Unternehmen um Univ.-Prof. Dr. Dieter Falkenhagen hat dabei am Institut für Biomedizinische Technologie an de Donau-Universität in Krems mit Unterstützung des Konzerns Fresenius das so genannte MDS-System (Microspheres Based Detoxification System) entwickelt. Der Vorläufer dazu wurde gerade CE-zertifiziert. Das Prinzip: Vom Blut von Patienten mit Leberversagen wird zunächst das Plasma abgetrennt und dann in einem zweiten Kreislauf über Adsorber-Kügelchen geleitet und gereinigt. Falkenhagen: "Leberersatz-Systeme kann man acht bis zehn Tage anwenden. Die Leber kann sich bei machen Patienten wieder regenerieren. In den meisten Fällen aber muss dann eine Transplantation durchgeführt werden." In Berlin wurde eine komplizierte Kunstleber als Hybrid-Organ von Zellen und Bioreaktor entwickelt. In den USA in Los Angeles gibt schon ein einfacheres System für einen zeitweisen Leberersatz auf der Basis eingefrorener Zellen, die in einem fertigen Set schnell aufgetaut und mit dem System verwendet werden können. Bei der Dialyse (Nierenersatz: weltweit 1,1 Millionen Betroffene) wird auf andere Strategien gesetzt. Falkenhagen: "Hier hat die (zusätzliche, Anm.) Behandlung mit EPO (Blutwachstumsfaktor, Anm.) die Mortalität der Patienten stark reduziert. Die Zahl der Kranken, die nicht mehr zwei bis drei Mal pro Woche, sondern fünf bis sechs Mal - auch jeweils nächtens - dialysiert werden, steigt an." Das ist besser und schonender. Die Kremser Wissenschafter arbeiten auch an einem System toxische körpereigene Substanzen (LPS) bei Patienten mit septischem Schock aus dem Blut zu entfernen. Trotz aller angeblichen Sensationsmeldungen am Anfang stehen Tissue Engineering (Gewebezüchtung) und Stammzelltechnologie. Biomedizin-Forscher Univ.-Prof. Dr. Udo Losert: "Da haben Sie wahrscheinlich die Maus mit dem Ohr am Rücken im Kopf. So spielt sich das aber nicht ab." Für den Wiener Herzchirurgie-Doyen Univ.-Prof. Dr. Ernst Wolner ist da allerdings "Pharisäertum" im Spiel: "Die ganzen Forschungen mit adulten Stammzellen sind ja nur ein Surrogat für das, was man mit embryonalen Stammzellen viel einfacher machen könnte." So lange in Österreich pro Jahr eine fünfstellige Zahl von Embryonen (nach Abtreibungen, Anm.) über den Kanal 'entsorgt' wird", sei das Verbot der Verwendung embryonaler Stammzellen "pharisäerhaft". Man könne nicht gleichzeitig die Abtreibung gesellschaftlich akzeptieren und Forschung an embryonalen Stammzellen verbieten. (APA)