Prag - Das umstrittene tschechische Chemiewerk Spolana Neratovice an der Elbe hat nach einem Medienbericht Verletzungen von Feuerwehrmännern während eines Chlorgas-Austritts am vergangenen Freitag geheim gehalten. Nach dem Einsatz auf dem Firmenareal hätten zahlreiche Mitglieder der Rettungsmannschaft wegen Hautverletzungen und Atembeschwerden ärztlich behandelt werden müssen. Die Prager Zeitung "Lidove noviny" berichtet in ihrer Mittwochausgabe über derartige Vorfälle. Spolana habe dagegen behauptet, bei dem Einsatz gegen den "ungefährlichen Stoff" habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben. Ein Sprecher des Unternehmens sagte der Zeitung, er wisse nichts über angebliche Verletzte. Die Bürgermeister der bei Neratovice liegenden Orte wollen an diesem Donnerstag ihr weiteres Vorgehen im "Fall Spolana" koordinieren. Es gehe um die Forderung an das Unternehmen, die Kommunikation zu verbessern, sowie um die Bildung eines neuen Evakuierungsplans, sagte einer der Kommunalpolitiker. Es sei unverständlich, dass Spolana auch zwei Wochen nach dem Hochwasser immer noch nicht sieben Chemie-Fässer abgeholt habe, die die Flut in einen nahen Wald gespült habe, sagte der Politiker. Ein Firmensprecher sagte, man werde die "ungefährlichen Container" noch am Mittwoch mit Hilfe der Feuerwehr bergen. Nach Angaben des Spolana-Mutterkonzerns Unipetrol sind dem Werk durch das Hochwasser Schäden von umgerechnet 33 Millionen Euro entstanden. Angesichts einer solchen Höhe seien Subventionen von Seiten des Staates dringend notwendig, sagte Unipetrol-Chef Pavel Svarc. Er habe Wirtschaftsminister Jiri Rusnok (Sozialdemokraten) bereits in einem Brief gebeten, eine Beteiligung der Regierung zu prüfen. (APA)