Leipzig - Viele Bibliotheken und Archive sind nach Ansicht des Experten Manfred Anders nicht auf Hochwasser vorbereitet. "Die bestehenden Notfallpläne sind vollkommen mangelhaft, weil sie oft keine Hochwasser vorsehen", sagte der Geschäftsführer des Leipziger Zentrums für Bestandserhaltung (ZFB). Sowohl die Logistik als auch die Kostenübernahme für die Rettung wertvoller Bestände seien vielfach nicht geregelt. Das gelte auch für Behörden und Museen.Prioritätenliste und Logistik erarbeiten Für die Evakuierung vom Hochwasser bedrohter Gebäude müssten die Institutionen eine Prioritätenliste und eine Logistik erarbeiten, damit die wichtigsten Dokumente zuerst vor den Fluten gerettet werden könnten, forderte der Fachmann für die Wiederherstellung vom Zerfall bedrohter Papierstücke. "Auch die Absprachen zwischen den Katastrophenstäben und den Institutionen müssen verbessert werden, damit sofort klar ist, bei welchem Pegelstand welche Abteilungen der Archive gesichert werden müssen." Einfrieren nasser Dokumente hilft vor tückischem Schimmelpilz Ein gezielter Einsatz von Sandsäcken könne im Ernstfall den Schaden begrenzen. "Die Sandsäcke vor den Fenstern und Türen haben teilweise wie ein Filter gewirkt. Das Wasser ist zwar eingedrungen, aber wenigstens sind die Bücher weitgehend vor dem schädlichen Schlamm bewahrt worden", erklärte er. Wenn Bücher und Dokumente nass würden, müssten sie schnellstmöglich eingefroren werden, damit der Zerfalls-Prozess aufgehalten und der Aufwand für die Restaurierung der Dokumente minimiert werde. Farbe und Tinte könne dadurch vor dem Verlaufen geschützt werden. Außerdem verhindere der Frost den gefährlichen Schimmelpilz. "Anschließend kann ich mir immer noch in Ruhe überlegen, welche Stücke eine weitere Bearbeitung und Rettung lohnen. Zumindest habe ich dann erst einmal den Verfallsprozess gestoppt", sagte der ZFB-Chef. (APA/dpa)