Wien - Der gewerbliche Bauträger SEG ist in Schwierigkeiten und hat den Bau eines Appartementhotels und einer damit verbundenen Wohnhausanlage am Wienerberg vor 14 Tagen eingestellt. SEG- Chefin Silvia Renezeder begründet den Baustopp im Standard- Gespräch damit, dass der Hotelbetreiber Anfang Juli abgesprungen sei. Doch der potenzielle Betreiber, das im Besitz der SPÖ befindliche Gartenhotel Altmannsdorf, zu dem auch das Gasthaus Tirolerhof sowie das Café Gloriette gehören, dürfte eher die Reißleine gezogen haben, heißt es in der Branche. Gartenhotel-Chef Bernd Schmid bestätigte, dass in der ursprünglichen Variante nur ein Betreiber gesucht wurde und dafür hatte sein Betrieb auch die Zusage der Gremien. Doch zuletzt suchte die SEG einen Miteigentümer, der das Appartementhotel auch vorfinanzieren sollte. "Nach einer Grundsatzüberlegung von der Kosten- und Risikoseite nahmen wir davon Abstand", so Schmid. Das Risiko, dass das Gartenhotel Altmannsdorf durch das Projekt in finanzielle Schieflage gekommen wäre, war einfach zu groß, meinen Insider. Dem Vernehmen nach fällt das Engagement des Wiener Hotels allerdings auch dem von SP-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer verordneten Sparkurs der Partei zum Opfer, eine Investition am Wienerberg sei am Parteiveto gescheitert, heißt es. Renezeder dementiert finanzielle Probleme ihrer Firma und verweist auf Verhandlungen mit neuen Betreibern, die allerdings ein anderes Raumkonzept hätten, sodass erst im September wieder gebaut werde. Doch so einfach dürfte die Sache nicht sein: Denn die bausausführende Firma Strabag will erst weitermachen, wenn die Finanzierung gesichert ist, so Strabag-Vorstand Franz Radlherr. Bei dem Projekt handelt es sich um einen Entwurf der Wiener Architekten Coop Himmelb(l)au für besagten Hotelturm sowie ein Wohnhochhaus, die durch einen "Skywalk" miteinander verbunden werden sollen. Die Architekten wissen bis dato nichts von einem Gesamtbaustopp. (Claudia Ruff/Ute Woltron/DER STANDARD, Printausgabe, 29.08.2002)