Der drohende Krieg zwischen den USA und dem Irak hat Rohöl massiv verteuert. Bis zu sechs Dollar beträgt der Aufschlag, den das Säbelrasseln der US-Regierung bewirkt hat. Damit wurde das Gesetz von Angebot und Nachfrage teilweise außer Kraft gesetzt. Wegen der anhaltenden Konjunkturschwäche ist der Bedarf nach Öl weltweit sehr gering, Experten gehen gar davon aus, dass ein ehernes Gesetz heuer nicht mehr gelten könnte: dass die Nachfrage nach Rohöl jedes Jahr ansteigt, egal, wie flau die Konjunktur auch sein mag.

Allerdings könnte das US-Militär dafür sorgen, dass diese eherne Regel weiterhin gilt: Washingtons Streitkräfte kaufen mit Hochdruck auf den Märkten ein, besonders Flugzeugbenzin. Was dazukommt: Die US-Regierung ist eilig bestrebt, die strategischen Reserven aufzufüllen, um die Folgen einer möglichen Lieferunterbrechung nach einem Angriff auf den Irak so gering wie möglich zu halten.

Die militärischen Drohgebärden könnten die USA teuer zu stehen kommen, die wirtschaftliche Erholung abwürgen und das Loch in der Handelsbilanz noch weiter aufreißen, sind die Vereinigten Staaten doch der Welt größter Ölimporteur. Auch wenn niemand mit George Bush in die Schlacht ziehen will, die Zeche müssen über politisch überhöhte Ölpreise alle zahlen. Als Nothelfer sollen die Saudis die anderen Mitglieder des Förderkartells Opec dazu überreden, die Förderhähne stärker aufzudrehen und so die Preise wieder deutlich zu drücken. Damit könnte Saudi-Arabien auch die angeknacksten Beziehungen zu den USA verbessern.
Unerwünschter Nebeneffekt des Säbelgerassels: Der Preisaufschlag kommt auch dem Erzfeind in Bagdad zugute, schließlich ist der Irak eines der größten Ölförderländer der Welt. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.8.2002)