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So jung und schon so erfolgreich: Tatjana Freytag v. Loringhoven hat den Sprung zur WM geschafft!

Foto: Archiv Pferderevue
Bei den Weltreiterspielen vom 10. bis 22. September 2002 in Jerez de la Frontera wird Österreichs Springsport durch eine sympathische junge Dame vertreten sein: Die erst 22jährige Tatjana Freytag von Loringhoven wird ihr erstes internationales Championat im Seniorenbereich bestreiten. Als der österreichische Bundesfachverband bei ihr anfragte, ob sie in Jerez an den Start gehen möchte, war sie sich erst gar nicht so sicher gewesen, „Ich dachte, eine Weltmeisterschaft könnte doch noch zu schwer für mich sein, aber ich habe mit meinem Trainer Jan Tops Rücksprache gehalten – und er sagte, doch, es sei gut, wenn ich dort Erfahrungen sammeln würde, auch im Hinblick auf die nächstjährigen Europameisterschaften und die Olympischen Spielen 2004 in Athen." Ganz so unerfahren in internatonalen Championaten ist die in Nizza lebende Amazone jedoch nicht. Sie hat Österreich bereits bei Junioren-Europameisterschaften vertreten und im vergangenen Jahr bei der EM der Jungen Reiter im spanischen Gijon, wo sie vor dem Finale mit Fein Kiss noch eine Medaille zum Greifen nahe hatte, dann aber im ersten Umlauf alle Chancen verspielte. Dieses Jahr will sie es besser machen, unter Druck setzen möchte sie sich allerdings nicht. Ihre WM-Qualifikation hat Tatjana Freytag von Loringhoven mit einem achten Platz im Großen Preis von CSI Geestern (NED) und einem siebten Platz beim CSI Hachenburg (GER) gegen schwerste Konkurrenz mit Fein Kiss erritten, die auch ihr WM-Pferd sein wird. Internationale Familie Tatjanas Familie stammt ursprünglich aus Deutschland, bevor sie nach Österreich und später nach Frankreich zog, wo Tatjana geboren und aufgewachsen ist. Ihr Vater ist mit seinem Unternehmen in Nizza in der Entwicklung von Duftstoffen für Parfüms, Seifen, Waschmitteln und dergleichen tätig. Tatjana, die einen deutschen und österreichischen Paß besitzt, ist zweisprachig aufgewachsen, "In der Familie sprechen wir bis heute Deutsch, in der Schule habe ich Französisch gesprochen." Englisch spricht sie außerdem, das gehört einfach dazu. Ihrem Deutsch merkt man keinerlei französischen Akzent an noch, daß sie nicht im deutschsprachigen Raum aufgewachsen ist. In ihrer Familie hat niemand etwas mit Pferden zu tun gehabt, doch sie erinnert sich, "Ich bin jeden Tag bei uns am Reitstall vorbeigefahren. Meine Familie war erst dagegen, aber mit zwölf durfte ich dann doch anfangen. Ich habe gleich auf Großpferden begonnen." Einige Jahre ritt sie in Südfrankreich erfolgreich auf kleineren Turnieren, bevor sie vor fünf Jahren mit dem Training bei Frankreichs Springstar, dem Doppel-Vize-Weltmeister von 1994, Michel Robert, begann. Mit 16 war Tatjana Freytag von Loringhoven ihr erstes S-Springen geritten. Seit Januar 2002 ist sie nun bei Jan Tops im Stall und wird von ihm bzw. auch von Rolf-Göran Bengtsson trainiert und auf Turnieren betreut. Nun verbringt sie ihre Zeit zur Hälfte in Frankreich und zur anderen Hälfte in den Niederlanden. In Österreich ist sie nur noch selten – und seit ihre Großmutter gestorben ist, fast nur noch zu Reitturnieren. So plant sie auch in diesem November einen Start in der Wiener Stadthalle. Ein eingespieltes Team Ihr WM-Pferd, die heute elfjährige Holsteiner Stute Fein Kiss, die von Caletto I abstammt, ist schon seit fünf Jahren in ihrem Besitz und von Tatjana und ihrem Trainer über den Junioren- und Junge-Reiter-Bereich sorgfältig aufgebaut worden. „Ich kenne sie in- und auswendig, wir sind total mit einander vertraut. Sie hat mich noch nie enttäuscht und besitzt ein sehr gutes Springvermögen, wie sie ja in den Großen Preisen von Geestern und Hachenburg bewiesen hat," schwärmt sie von der Stute. Mit der in der Schweiz gezogenen, neunjährigen Fuchsstute Karina (v. Coeur de Nuit), mit der sie am zweiten Turnierwochenende in Valkenswaard in der Großen Tour einen dritten Platz belegen konnte, besitzt sie noch einen weiteren Trumpf für den großen Sport unter dem Sattel. Vielleicht erwächst dem österreichischen Springsport aus der Familie Freytag von Loringhoven auch noch ein zweites Springtalent: Ihr 18jähriger Bruder, der früher geritten ist, zwischenzeitig aber aufgehört hatte, bekommt durch die Turnierbesuche mit seiner Schwester gerade wieder Geschmack am Reiten.Der Start bei der WM ist für Tatjana zweifellos der Höhepunkt ihrer jungen Karriere – der sogar den Start ins Studentenleben ein wenig verzögern könnte:Ab September will Tatjana mit dem Studium 'International Business' an der amerikanischen Universität in Nizza beginnen, aber dieses Vorhaben hat sie in den letzten vier Jahren schon mehrfach aufgeschoben, „Auf der Universität hat man mir zwar gesagt, daß ich nicht immer anwesend sein muß und auf Turniere gehen darf, daß ich aber den ganzen September nicht dort sein werde, das wissen sie noch nicht." Birgit Popp/Pferderevue