Bremen - "Vor der Kaserne, vor dem großen Tor": Das Kriegs-Liebeslied "Lili Marleen" ist mehr als 60 Jahre alt, wurde angeblich in 80 Sprachen übersetzt und von rund 300 Interpreten gesungen, darunter Marlene Dietrich und Bing Crosby. Zu einem der berühmtesten Schlager des 20. Jahrhunderts machte es jedoch eine große Blonde aus dem hohen Norden: Lale Andersen. Sie starb am Donnerstag, 29. August, vor 30 Jahren. Andersen wurde am 23. März 1905 im heutigen Bremerhaven-Lehe geboren. Sie war gerade zehn Jahre alt, als in Hamburg der Dichter und Gardefüsilier Hans Leip zur Feder griff und vor dem Abmarsch ins Feld die ersten Strophen von "Lili Marleen" zu Papier brachte. Als der Text 1937 veröffentlicht wurde, trat die Sängerin mit einer ersten Vertonung auf, erntete Lob - aber keinen echten Erfolg. Zunächst ein Flop Auch die zweite Vertonung zwei Jahre später war zunächst ein Flop: Bis 1941 wurden gerade einmal 700 Schallplatten verkauft. Dann aber nahm der Wehrmachts-Soldatensender Belgrad das Lied ins Programm und spielte es bald allabendlich. Der Siegeszug des Liedes - und Lale Andersens - begann, und das über Ländergrenzen hinweg: So sollen in Nordafrika, wo sich deutsche und britische Truppen gegenüber standen, die Waffen verstummt sein, sobald die Radiosendung begann. Zugleich verbinden sich aber auch schlimmste Erinnerungen mit der "Internationale der Soldaten": Während einer Greueltat in Warschau soll ein Soldat immer und immer wieder "Lili Marleen" mit einem Grammophon abgespielt haben. Diese und andere Fakten, Erinnerungen und Legenden sind nachzulesen in der zum 30. Todestag der Künstlerin erschienenen Bildbiographie von Gisela Lehrke. Die Bremerhavener Kulturamtsleiterin hat darin auch aufgezeichnet, wie steinig der Weg zum Ruhm war und dass er nach dem "Lili Marleen"-Erfolg nicht nur einfacher wurde. "Ich wollte das Lale-Andersen-Bild zurechtrücken", sagt die Autorin. "Bild zurechtrücken" Lale Andersen, eigentlich Liese-Lotte Helene Berta Bunnenberg, interessierte sich schon früh für Musik, Literatur und Kunst. Mit 17 Jahren heiratete sie den Bremerhavener Kunstmaler Paul Ernst Wilke, bekam 1924 das erste von drei Kindern. Doch die ambitionierte junge Frau wollte mehr. 1929, sechs Wochen nach der Geburt von Sohn Michael, verließ sie der Biografie zufolge Mann und Kinder und ging nach Berlin, um selbst Künstlerin zu werden. Auftritte als Chanson-Sängerin, in Theaterstücken und vor allem beim Kabarett folgten - Jahre, in den die Künstlerin nur wenig verdiente. Unter dem NS-Regime kam die Künstlerin trotz ihrer vielen Kontakte zu jüdischen Kollegen zunächst gut zurecht. Sie habe sich angepasst, um ihre Existenz und die ihrer Kinder zu sichern, schreibt Lehrke. Durchbruch Mit "Lili Marleen" gelang Lale Andersen schließlich der Durchbruch, sie wurde sogar mit der Hauptfigur des Liedes identifiziert: Stapelweise Post von Soldaten erhielt die Künstlerin, adressiert an den fiktiven Namen. Den Nazis war sie nun plötzlich ein Dorn im Auge: Für den Reichspropagandaminister Joseph Goebbels etwa soll das Lied "Leichengeruch" verströmt haben. Ab 1942 durfte Lale Andersen ihren großen Hit nicht mehr singen. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann eine neue Karriere mit Tourneen rund um den Globus, "Lili Marleen" gehörte wieder zu ihrem Standard-Repertoire. In Deutschland nahm Lale Andersen rund 200 weitere Titel auf, Seemannslieder, plattdeutsche Titel, Schnulzen und Schlager, auch Chansons. Ende der 60er erkrankte die Künstlerin. Anfang August 1972 veröffentlichte sie noch den autobiographischen Roman "Der Himmel hat viele Farben - Leben mit einem Lied", am 29. August starb sie. Beigesetzt wurde Lale Andersen auf der ostfriesischen Insel Langeoog, wo sie seit 1945 ein privates Refugium unterhielt, das als Pension "Sonnenhof" später die UrlauberInnen anlockte. (APA/AP)