Hannover - Tourismusflaute und Babcock-Pleite haben den Reiseriesen TUI in den ersten sechs Monaten 2002 in die roten Zahlen getrieben. Konzernchef Michael Frenzel baut nun auf das traditionell starke zweite Halbjahr, blieb am Donnerstag in Hannover aber einen konkreten Ausblick schuldig und sprach lediglich von "verhaltenem Optimismus". Gleichzeitig kündigte er den lange erwarteten Einstieg in den Markt der Billig-Flieger an. Die neue "Hapag-Lloyd Express" soll bereits in diesem Jahr vom Flughafen Köln/Bonn mit Preisen ab 10 Euro durchstarten. Europäische Flüge werden ab 25 Euro angeboten. Die neue Airline soll Marktführer in Deutschland werden und dem weltgrößten Tourismuskonzern ein profitables Standbein verschaffen. Deutscher Markt steht Anfang einer Entwicklung Frenzel begründete die TUI-Billig-Linie mit einem erwarteten Wachstum in diesem Bereich von 23 Prozent in Europa bis 2005. "Der deutsche Markt steht erst am Anfang einer Entwicklung." Untersuchungen gingen von einem Potenzial von 25 bis 40 Millionen Gästen jährlich aus, etwa zwei Drittel seien "neue" Kunden, die auf den angebotenen Strecken bisher das Flugzeug nicht genutzt hätten. Als Finanzbedarf nannte der TUI-Vorstandsvorsitzende rund 100 Mill. Euro "in der Spitze", der sich mit wachsendem Geschäft "zügig abbauen" werde. Die Gewinnschwelle solle spätestens 2004 überschritten werden bei einer zweistelligen Umsatzrendite. Ab Köln/Bonn werden von Dezember an deutsche und europäische Städte angeflogen. Als Beispiele nannte Frenzel unter anderem Dresden, München und Berlin sowie Barcelona, Mailand, Paris und London. Tickets soll es im Internet, Call-Centern und Reisebüros geben, über Vertriebsmodelle werde aber noch verhandelt. Für den Betrieb chartert eine neu gegründete 100-prozentige TUI-Tochter acht Maschinen vom Typ Boeing 737-700 vom Germania Flugdienst. Im ersten Jahr würden 1,3 Passagiere angepeilt und 2,6 Millionen im zweiten. Tiefrote Zahlen Gleichzeitig legte Frenzel für das erste Halbjahr 2002 wie erwartet eine Bilanz mit tiefroten Zahlen vor. Bei einem Umsatzminus von 14,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert auf 9,27 Mrd. Euro wird ein Verlust von 117,2 Mill. Euro ausgewiesen. Im ersten Halbjahr 2001 hatte die damalige Preussag AG einen Gewinn von 111,9 Mill. Euro gemacht. Verantwortlich seien das schwache Tourismusgeschäft mit einem "Tiefpunkt" im ersten Quartal sowie die 189 Mill. Euro kostende Pleite der Babcock Borsig AG gewesen, an der die TUI Anteile hält. Für das gesamte Geschäftsjahr 2002 rechnet Frenzel mit einem Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen in der Nähe des Vorjahres, als rund 811 Mill. Euro erzielt wurden. Zwar würden alle drei Sparten der TUI die hohen Ergebnisse des vergangenen Jahres nicht wiederholen können. Vor allem in der wichtigen Tourismussparte sehe er durch eine steigende Nachfrage aber eine gute Chance, im zweiten Halbjahr an das Ergebnis des Vorjahreszeitraums heranzukommen. So habe es einen "starken Juli" und "guten August" gegeben. Hinzu kämen Erlöse aus Firmenverkäufe und Effekte aus Sparprogrammen. Schon im zweiten Quartal habe es ein deutlich positives Ergebnis gegeben. Dabei hätten nicht nur die Tourismussparte, sondern auch die Bereich Energie und Logistik schwarze Zahlen geschrieben. Frenzel wies darauf hin, dass durch die Verkäufe von nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Unternehmensteilen die Netto-Verschuldung auf derzeit knapp unter 5 Mrd. Euro zurückgegangen sei.(APA/dpa/AP)