Wien - Insgesamt 43 Personen sitzen im Parteivorstand der FPÖ. Am kommenden Dienstag soll dieses Gremium tagen und entweder die Krise in der Partei bereinigen oder eine Entscheidung im Machtkampf zwischen Jörg Haider und Susanne Riess-Passer herbeiführen. Nach jetzigem Stand ist das Kräfteverhältnis im Parteivorstand nahezu ausgewogen, möglicherweise mit einem leichten Hang zu Riess-Passer. Eine Zweidrittelmehrheit würden aber wohl beide nicht zustande bringen.Im Parteivorstand sind alle Mitglieder des Präsidiums (20 Personen), die Regierungsvertreter, die Obmänner der Landtagsfraktionen sowie vier gewählte Mitglieder vertreten. Abgesehen von den Landesparteiobleuten hätte Riess-Passer zumindest im Präsidium eine klare Mehrheit. Ihre drei Stellvertreter (Gorbach, Westenthaler, Scheibner) sind ebenso auf ihrer Seite wie Nationalratspräsident Prinzhorn, Bundesgeschäftsführer Mitterrutzner, Finanzreferent Neudeck und die Generalsekretäre Schweitzer und Sichrovsky. Bundesrat Böhm und die EU-Abgeordnete Raschhofer werden im Zweifel ebenfalls Riess-Passer zugerechnet, Klubdirektor Moser gilt dagegen als Haider-loyal. Sattler von der Freiheitlichen Akademie kann Riess-Passer zugerechnet werden. Bei den Landesobmännern hat Haider zumindest Achatz (Oberösterreich), Windholz (Niederösterreich), Kabas (Wien) und natürlich Strutz (Kärnten) in seinem Lager. Salzl (Burgenland), Gorbach (Vorarlberg), Schnell (Salzburg) und Tilg (Tirol) würden im Zweifel für Riess-Passer stimmen. Offen ist die Position von Schöggl (Steiermark). In der Bundesregierung hat Riess-Passer Scheibner, Reichhold und Grasser auf ihrer Seite, Rossmann ist Haider-treu. Waneck, Haupt und Böhmdorfer sind in dieser Situation schwer einzuschätzen. Schender (Jugend) und Hofmann (Wirtschaft) würden sich für die Vizekanzlerin entscheiden, Tremmel (Senioren) eher für Haider. (völ/DER STANDARD Print-Ausgabe, 30.8.2002)