Das Wetter in Johannesburg ist symptomatisch für den Verlauf der Verhandlungen – es wird von Tag zu Tag schlechter, es regnet immer öfter. Die geringen Erwartungen an den großen Nachhaltigkeitsgipfel dürften sich - nach derzeitigem Verhandlungsstand - nicht nur bestätigen, es könnte sogar noch schlimmer kommen. Besorgnis erregend ist die derzeitige Diskussion um das Vorsorgeprinzip: Eine der zentralen Errungenschaften von Rio 1992 droht nun zehn Jahre danach stark verwässert zu werden. Auf Druck der USA und der G- 77-Staaten wird höchstwahrscheinlich die Verankerung des Vorsorgeprinzips in den Aktionsplan – eine Grundforderung vieler NGOs - verhindert werden. Die G-77 befürchten weitere Einschränkungen des Handels mit Europa, die USA verfolgen ihren strikten Freihandelskurs ohne Rücksicht auf Verluste weiter. Das Vorsorgeprinzip ist ein Grundprinzip der nachhaltigen Entwicklung – statt es abzuschwächen, sollte es verstärkt werden. Generell zeigt sich, dass die Formulierungen im Aktionsplan mit jeder Verhandlungsrunde an Biss verlieren. Die Verhandlungen laufen weiter, es wird sich zeigen, ob das Vorsorgeprinzip zur Sache der Regierungschefs wird, die ab Montag, 2.9. in Johannesburg verhandeln werden.