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In der Nähe von Kalimanovici/Bosnien untersuchen Forscher die Leichen von bosnischen Serben.

Foto: REUTERS/Damir Sagolj
Belgrad - Auf dem Gebiet Ex-Jugoslawiens gelten nach den Kriegen in den 90er Jahren rund 40.000 Menschen für vermisst. Der Leiter des Büros der Internationalen Vermisstenkommission für den Balkan, Goran Bacon, erwartet, dass die Identifikation von den in Massengräbern entdeckten Leichen in drei Jahren abgeschlossen werden dürfte. Seine Kommission befasse sich nicht nur mit der Fahndung nach den Vermissten, sondern auch mit der Versöhnung und der Familienzusammenführung, unterstrich Bacon am Freitag im Gespräch mit dem Belgrader Sender "B-92". Sehr komplizierte DNA-Analysen, die die Identifikation von Toten auf Grund von Knochen- und Blutproben der Familienangehörigen ermöglichen, werden seit drei Jahren in vier Speziallabors in Sarajewo, Tuzla, Banja Luka und Zagreb vorgenommen. In Belgrad soll ein weiteres Labor am 10. September seine Arbeit aufnehmen. Nach Worten seines Leiters Goran Stajkovic habe internationale Staatengemeinschaft in die Einrichtung des Labors eine Million Dollar (1,016 Mill. Euro) investiert. Gemäß Bacon würden in den Labors zur Zeit monatlich bis zu 200 Tote identifiziert. So hohe Identifikationszahlen seien noch kürzlich nicht denkbar gewesen, präzisierte er. Die Erfahrungen der vier Labors seien von Expertenteams auch nach dem Anschlag vom 11. September 2001 auf das WTO-Zentrum in New York genutzt worden, sagte Bacon. Familienangehörige von Vermissten aus Bosnien, Kroatien und Jugoslawien, Kosovo eingeschlossen, werden sich am Freitag zum ersten Mal seit dem Kriegsende zu einer gemeinsamen Kundgebung in Sarajewo einfinden. Mit weißen Ballons soll der Vermissten gedacht werden. (APA)