Tulln - Die Abfangjägerfrage ist entschieden. Zumindest in Tulln an der Donau. Dort sprach sich der Gemeinderat am zweiten Juli 2002 - knapp, aber doch - für die Anschaffung eines solchen Kriegsgeräts aus. Und das Volk begehrte überhaupt nicht auf. Im Gegenteil. Man habe "ein Symbol gesucht, das zu uns Tullnern passt", heißt es im Büro von Bürgermeister Wilhelm Stift (VP). Und es in Form eines ausrangierten Draken gefunden, der seinen Veteranencharme ab Dezember inmitten eines Kreisverkehrs an der neuen Südumfahrung der Zuckerrübenmetropole und Messestadt entfalten soll. Umgeben von einem gepflegten Dekor aus roten Rosen, das von einer großen, ortsansässigen Gärtnerei instand gehalten wird. Christian Schaumberger, Techniker im Gemeindeamt, freut sich schon auf den Anblick: Scheinbar immer startbereit werde der eiserne Vogel dastehen, mit seinem spitzen Bug schräg nach oben. "Wir werden den Draken auf einem Sockel an einem dicken Eisenrohr montieren, das tief in den Boden gerammt wird", erläutert er fachmännisch. Kostenpunkt: rund 55.000 Euro. Zur Verfügung gestellt wird den Tullnern das Kriegsgerät von österreichischen Bundesheer. Um einen "symbolischen Mietbetrag", wie es im Bürgermeisterbüro heißt. Auch die Kosten für die technische Ausweidung - Fachausdruck: "Entmilitarisierung" - übernimmt das Ministerium. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass ein Draken an der Ausfahrtsstraße zum Flughafen Langenlebarn "dem Image des Bundesheeres zuträglich ist", meint Herbert Kullnig aus dem Büro von Verteidigungsminister Herbert Scheibner (FPÖ). Wenig abgewinnen hingegen können die Ortsgrünen - und in weiterer Folge Grünen- Landtagsabgeordnete Brigid Weinziger - dem ins Auge gefassten militaristischen Blickfang. "Kopf unten", wenn überhaupt, müsse der Draken aufgestellt werden, ätzt Liane Marecek von den Tullner Grünen: als Symbol für eine Bruchlandung sozusagen. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 31.8./1.9.2002)